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Schweiz vs. Finnland 3:2

Halbfinal wir kommen: Der WM-Coup ist Tatsache!

Das Eishockey-Nationalteam steht an der WM in Dänemark in den Halbfinals. Die Schweizer besiegen Finnland mit 3:2. Im Halbfinal treffen die Schweizer am Samstagabend auf Kanada.

In magischen 235 Sekunden wurde das Fundament für den historischen Sieg gelegt. Gegen Finnland hatte die Schweiz an Weltmeisterschaften seit 1972 nie mehr gewonnen. In den 46 Jahren seither gab es bloss an den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary einen glückhaften 2:1-Sieg über die Suomi.

Mit Glück und Fortune hatte der Schweizer Sieg in Herning wenig zu tun. Die Schweizer rissen im zweiten Abschnitt die Initiative vehement an sich und wurden für ihre mutige Spielweise mit drei Toren innerhalb von weniger als vier Minuten vom 0:1 zum 3:1 belohnt. Enzo Corvi leitete mit dem Ausgleich die Wende ein. Corvi gelang mit dem zweiten Nachschuss der 1:1-Ausgleich. Der WM-Debütant erzielte bereits sein viertes Tor in Dänemark; er führt mit vier Toren und vier Assists punktemässig das Schweizer Team an.

Endgültig auf die Siegesstrasse bogen die Schweizer nach 33 Minuten ab. Zuerst erwischte Joël Vermin den finnischen Goalie Harri Säteri – statistisch vor den Viertelfinals die Nummer 1 des Turniers – zwischen den Beinen. Nur 36 Sekunden später erhöhte Gregory Hofmann nach einem Abpraller Säteris auf 3:1. Vermin und Hofmann erzielten jeweils ihr drittes WM-Tor. Hofmann sah im ersten Abschnitt beim Gegentor zum 0:1 noch schlecht aus, weil er seinen Gegenspieler (Verteidiger Markus Nutivaara) aus den Augen verloren hatte.

Dieses erste Gegentor, welches das Team von Nationalcoach Patrick Fischer bis zur Spielmitte in Rücklage gebracht hatte, blieb am Ende eine Randnotiz. Die Schweizer zeigten ihr mit Abstand bestes Spiel an dieser Weltmeisterschaft. Sie flitzten übers Eis. Sie dominierten die Finnen im zweiten Abschnitt mit Tempospiel. Und selbst als die Finnen im Schlussabschnitt immer mehr riskieren mussten, verloren die Schweizer die Übersicht nur selten.

Spannend wurde es aber noch: Zwölf Minuten vor Schluss verkürzten die Finnen in Überzahl (durch Mikko Rantanen) auf 2:3. Anschliessend spielte Finnland weitere zwei Minuten lang Powerplay. Die Schweizer gerieten im Finish enorm unter Druck, tauchten selber aber zweimal solo vor dem finnischen Torhüter auf. Die Schweizer stahlen den Sieg sicher nicht.

Die Schweizer überzeugten und glänzten als Team. Einer stach trotzdem heraus. Goalie Leonardo Genoni durfte wieder einmal Held sein. An den Winterspielen war er nach 26 Minuten und vier Gegentoren (und bloss acht Paraden) ausgewechselt worden. In Pyeongchang durfte Genoni nachher nicht mehr aufs Eis. Auch in Dänemark hinterliess Genoni in der Vorrunde den weniger souveränen Eindruck als Reto Berra. Trotzdem setzte Patrick Fischer am Donnerstag auf Genoni. Der 30-jährige honorierte das Vertrauen mit 32 Paraden. Bei den beiden Gegentoren besass Genoni keine Abwehrchance.

Der dritte gewonnene WM-Viertelfinal (nach 1992 in Prag und 2013 in Stockholm) beruhigt rund ums Nationalteam die Stimmung. Niemand mehr wird die voreilige Vertragsverlängerung mit dem Nationalcoach vor den Winterspielen von Pyeongchang in Frage stellen. Patrick Fischer wird bis zur Heim-WM 2020 fest im Sattel sitzen.

Nun folgt die Reise zurück nach Kopenhagen und zum Duell gegen Kanada

Vorerst spielen die Schweizer übers Wochenende wieder in Kopenhagen – und nicht mehr in Herning wie am Donnerstag im stimmungslosen Viertelfinal – um die Medaillen. Gewiss starten die Schweizer in die Partie gegen Kanada nicht als Favorit. Aber gegen das Team Canada erlebte die Schweiz in den letzten Jahren schon etliche Sternstunden. Von den letzten zehn Pflichtspielen gewannen die Schweizer immerhin vier – an den Olympischen Spielen in Turin besiegte die Schweiz sogar ein kanadisches NHL-Dream-Team. An der letzten WM in Paris setzten sich die Schweizer mit 3:2 nach Verlängerung durch. Und beim 1:5 in Pyeongchang im Februar wurden die Schweizer gewiss unter Wert geschlagen.

Finnland – Schweiz 2:3 (1:0, 0:3, 1:0)

Herning. – 5634 Zuschauer. – SR Jerabek/Reneau (CZE/USA), Lasarew/Lhotsky (RUS/CZE). – Tore: 8. Nutivaara (Koivisto, Rantanen) 1:0. 30. Corvi (Fiala, Niederreiter) 1:1. 33. (32:32) Vermin (Meier) 1:2. 34. (33:08) Hofmann (Moser, Fora) 1:3. 49. Rantanen (Savinainen, Aho/Ausschluss Fora) 2:3. – Strafen: 0mal 2 Minuten gegen Finnland, 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Finnland: Säteri; Pokka, Heiskanen; Nutivaara, Koivisto; Honka, Kivistö; Riikola; Rantanen, Granlund, Tolvanen; Teräväinen, Aho, Savinainen; Kapanen, Manninen, Jormakka; Anttila, Pesonen, Mäenalanen; Palola.

Schweiz: Genoni; Diaz, Josi; Fora, Müller; Untersander, Kukan; Frick; Rod, Schäppi, Scherwey; Moser, Haas, Hofmann; Niederreiter, Corvi, Fiala; Andrighetto, Vermin, Meier; Baltisberger.

Bemerkungen: Schweiz ohne Berra (Ersatztorhüter), Senn, Genazzi und Riat (alle überzählig). Timeout Finnland (59:32). – Schüsse: Finnland 34 (13-10-11); Schweiz 27 (6-14-7). – Powerplay-Ausbeute: Finnland 1/4; Schweiz 0/0.

Third Star: Dean Kukan (SUI). Mit zwei krachenden Schüssen für Ausrufezeichen gesetzt, aber noch überzeugender war die Ruhe vor dem eigenen Tor und am Puck. Kaum Fehler im Stellungsspiel oder in der Angriffsauslösung, stellvertretend für alle Schweizer Verteidiger am heutigen Abend!

Second Star: Tristan Scherwey (SUI). Zuerst hat er mit seinen krachenden Checks für die Musik gesorgt, dann setzte Fischer in den letzten zehn Minuten konsequent auf ihn und die vierte Linie. Jeden zweiten Shift machten sie, spielten überragend in der neutralen Zone und hielten dicht!

First Star: Enzo Corvi (SUI). Zuerst bringt Corvi mit seinem Ausgleich die Schweizer zurück ins Spiel, dann leitet er die Angriffe der Paradelinie ein. Er ist das Gewissen von Fiala und Niederreiter, dem Topduo. Er hält ihnen den Rücken frei, hat beinahe fehlerlos agiert.

Loser: Mikael Granlund (FIN). Der finnische Kapitän ist ein Superstar aus der NHL, aber ist heute nicht seinem Ruf gerecht geworden. Ihm fehlte bei seinen Aktionen oft das Tempo, die Körpersprache war nicht überzeugend. Folglich ist ihm wenig bis gar nichts gelungen.

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