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Der Deutsche überzeugte in der Vergangenheit mit toller Arbeit

Peter Zeidler: Die Granate, die St.Gallen Erfolg und Spektakel bringen soll

Gegen Dienstagmittag wurde Peter Zeidler als neuer Cheftrainer des FC St.Gallen vorgestellt. Es ist also jener Mann geworden, der in den letzten Tagen zum absoluten Kronfavoriten aufgestiegen war. Auch in unserem Trainer-Ranking der zehn Favoriten von Anfang Mai landete der Deutsche auf dem klar ersten Rang. Wen haben sich die Ostschweizer da genau geangelt?


Zeidlers erste Trainer-Zeit in der Schweiz mit überraschendem Ende

Peter Zeidler ist in der Schweiz kein Unbekannter, keineswegs. Vom 22. August 2016 bis zum 25. April 2017 war er Cheftrainer beim FC Sion. 28 Spiele betreute er die Sittener Mannschaft, bis er vor etwas mehr als einem Jahr überraschend „beurlaubt“ wurde. Der Deutsche zeigte sich damals sehr traurig und enttäuscht. Die Ergebnisse waren zwar nicht mehr sehr zufriedenstellend, aber sein Verein war trotzdem immer noch auf dem hervorragenden, dritten Rang klassiert.

Ausserdem stand ja das Finale des Schweizer Cups an, welches Zeidler so gerne bestritten hätte. Gegenüber Blick antwortete er damals auf die Frage, was denn am meisten weh täte, nach seinem Aus: ''Dass dieser Traum geplatzt ist, dieses Endspiel bestreiten zu dürfen. Ich habe ja die Videos gesehen. Was da abgeht… einmalig. Das war ein richtig grosser Traum von mir.''.

Die Verwunderung dürfte nicht nur bei Zeidler selber gross gewesen sein, sondern auch bei den Fans. Denn seit Pierre-André Schürmann war er der erfolgreichste Trainer des FC Sion, holte in seinen 28 Spielen im Schnitt 1,93 Punkte. Schürmann wies zwar einen Schnitt von 2,00 Punkten pro Spiel auf, coachte jedoch nur gerade fünf Spiele. Maurizio Jacobacci macht bislang als Sion-Trainer keinen schlechten Job, liegt mit 1,47 Punkten pro Spiel aber deutlich unter dem Wert von Zeidler.

Geglückte Karrierefortsetzung in einer kleinen französischen Gemeinde

Der 55-jährige Deutsche musste nicht lange ohne Anstellung auskommen. Nur etwas mehr als einen Monat nach seinem Aus bei Sion unterschrieb der ausgebildete Französisch-Lehrer einen Vertrag beim FC Sochaux in der Ligue 2. Dort, in der Nähe der Schweizer Grenze, setzte er seine Trainerkarriere erfolgreich fort, holte in wettbewerbsübergreifend 41 Spielen im Schnitt 1,44 Punkte pro Spiel und fuhr 15 Liga-Siege ein. Seit der Traditionsverein vor vier Jahren in die Zweitklassigkeit abstieg, gab es nie so viele Siege.

Vor allem aber schoss der FC Sochaux in der Ligue 2 noch nie so viele Tore, wie unter der Leitung des Deutschen. Das Torverhältnis mit einer Bilanz von -11 ist jedoch das Schlechteste aus den vier Jahren Ligue 2 des westfranzösischen Klubs.

Zeidlers Idee von Fussball: Offensiv, spektakulär und nicht ganz unriskant

Hier kommt der bevorzugte Spielstil von Peter Zeidler zum Ausdruck. Bei fast all seinen Stationen liess er seine Mannschaft in einer 4-3-3-Formation auflaufen. Heisst: Möglichst offensiv und angriffig. Zwar mit dem nötigen Respekt vor dem Gegner, aber ohne Angst und Furcht. Was diese Formation unweigerlich mit sich bringt ist Risiko.

In seiner Zeit als Sion-Coach gab es zwei Mal ein 0:0-Remis und ansonsten häufig viele, viele Tore. Siegen wie einem 2:5 in Vaduz, 4:2 gegen GC oder 5:1 gegen Lugano standen beispielsweise Niederlagen gegen YB (3:4) oder Lugano (4:2) gegenüber. Manchmal zahlt sich das Risiko eben aus, manchmal nicht.

Zwei interessante Beispiele gibt es aus seiner Zeit bei Sochaux zu erzählen. In der ersten Runde des Coupe de France trat er gegen den oberklassigen SC Amiens ohne Scheu und ganz frech in einer sehr offensiven 4-3-3-Formation auf. Das Resultat am Schluss? 6:0-Triumph für Zweitligist Sochaux! In der dritten Runde desselben Pokalwettbewerbs stand er dem grossen Paris Saint-Germain gegenüber. Also Fünferabwehrkette und Beton anmischen? Nicht mit Zeidler! Das 4-3-3-Risiko ging nicht ganz auf, am Ende resultierte eine 1:4-Pleite. Lob für den Mut dürfte es trotzdem gegeben haben.

An Erfahrung und fachmännischem Wissen mangelt es ihm nicht

Ob Peter Zeidler selbst als ''Granate'' betrachtet werden kann, sei mal dahingestellt. In der Vergangenheit war er bei jeder seiner Stationen durchaus erfolgreich. So etwa als Trainer des FC Liefering, dem Partnerclub von RB Salzburg, oder als Nachfolger des heutigen YB-Meistertrainers Adi Hütter bei den Bullen selber. Ab Januar 2008 war Zeidler ausserdem drei Jahre lang Co-Trainer von Ralf Rangnick bei der TSG Hoffenheim, wo er wichtige Erfahrungen sammeln konnte.

Titelmässig mag der Deutsche Fussballfachmann noch nicht grosse Stricke zerrissen haben. Aber mit seiner Spielweise, dem Flair für offensiven, begeisternden Fussball kann er das hocherwartungsvolle Publikum eindeutig für sich gewinnen und zufriedenstellen. Und am Schluss muss es, wie es St.Gallen-Präsident Hüppi uns gegenüber erklärte, natürlich menschlich passen. Wer weiss, zu was Peter Zeidler mit seinem Team fähig ist, wenn es noch besser passt als in Sion?

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