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Nach der WM in Paris dachte er noch ans Aufhören

Ramon Untersander – vom WM-Rookie zum Führungsspieler in einem Jahr

Er bestreitet in Kopenhagen seine erst zweiten Weltmeisterschaften, entwickelt sich aber im Team von Patrick Fischer immer mehr zu einem unverzichtbaren Führungsspieler. An der letztjährigen WM in Paris glänzte Ramon Untersander mit fünf Assists, und auch in Kopenhagen sammelt der SCB-Verteidiger fleissig Skorerpunkte: mit zwei Toren und drei Vorlagen befindet er sich im Ranking der skorenden Verteidiger auf dem fünften Platz.

Der Verteidiger startete seine Karriere beim SC Rheinthal, wechselte im Juniorenalter über den EHC Thurgau zum HC Davos, wo er nach einigen Jahren den Durchbruch in der NLA schaffte. Beim EHC Biel etablierte sich Untersander in der höchsten Schweizer Eishockeyliga und erspielte sich mit starken Leistungen den Wechsel zum SC Bern. 

Bei den Mutzen avancierte Ramon Untersander zu einem dominanten Offensivverteidiger und unverzichtbaren Leistungsträger, in seinen bisherigen drei Saisons konnte er mit dem SCB zweimal den Meistertitel feiern. In seiner zweiten Saison in Bern erhielt er mehr Eiszeit als jeder andere Spieler in der Liga, in der vergangenen Meisterschaft war er in dieser Statistik in den Top 10 zu finden; immer noch der meisteingesetzte Spieler seines Teams.

Auch an der bisherigen Weltmeisterschaft in Dänemark erhielt er von Nationalcoach Patrick Fischer nach Captain Raphael Diaz die meiste Eiszeit:

Die fünf meist eingesetzten Spieler – (Minuten pro Spiel):

Raphael Diaz (C) - 21:42

Ramon Untersander - 21:15

Roman Josi - 19:53

Nino Niederreiter - 19:49

Mirco Müller -  19:31

Untersander wurde er an der Seite von Dean Kukan in der zweiten Linie, nach dem Eintreffen von NHL-Superstar Roman Josi in der dritten Linie eingesetzt. Für seine defensive Stabilität und für seine Assists ist der coole Offensivverteidiger sowohl beim SC Bern (letzte Saison waren es 33) wie auch in der Nationalmannschaft bekannt. An dieser WM hat Untersander seine ersten Tore für die Schweiz erzielt – und das ausgerechnet gegen die beiden Top-Nationen Russland und Schweden. 

Dabei dachte er nach der Weltmeisterschaft in Paris vor einem Jahr ans Aufhören, wie er in einem Interview mit der Berner Zeitung selber gesagt hat. Eine Störung des Gleichgewichtssins im Innenohr machte ihm zu schaffen:

Habe ich einen Check gegen den Kopf kassiert, kann es sein, dass ich am nächsten Morgen aufstehe, und der ganze Raum dreht sich wie wild. Ich gehe auf die Toilette, schwanke, habe Mühe mit der Orientierung. Das ist energieraubend…

Den letztjährigen WM-Viertelfinal gegen Schweden verpasste er aufgrund dieser Gleichgewichtsstörung. So erläuterte er im selben Interview mit der BZ:

„Die ganze Saison lang lief es gut; ich dachte, ich sei endlich wieder stabil. Doch dann gab es im sechsten WM-Spiel einen Zusammenprall, notabene mit einem Mitspieler. Das wars mit dem Turnier. Nach der Weltmeisterschaft dachte ich gar ans Aufhören. Bei einer Therapiesitzung fühlte ich mich hundeelend. Der Schwindel brachte Übelkeit, ich ertrug grosse Menschenmassen nicht mehr. Das war sehr belastend.“

Übungen halfen Ramon Untersander, diese Gleichgewichtsprobleme in den Griff zu bekommen. Aktuell sind bei ihm jedenfalls keine zu sehen, zaubert er doch an dieser WM seine wohl besten Leistungen im Trikot der Schweizer Nationalmannschaft aufs Eis. 

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