9dc9327d51a1edc9f20b48e8a2dd1b39.jpg
Der wiedergeborene FC Basel hat bewiesen, dass er die Mittel hat

War das 5:1 nur der Anfang einer beginnenden Hetzjagd auf YB?

Die Schweizer Fussballfans staunten am Donnerstagabend nicht schlecht. Soeben hatte der FC Basel, einst die stolze Nummer eins aber mittlerweile vom Thron verstossen, den aktuellen Meister YB mit 5:1 abgefertigt. Die eine Frage, die sich stellt: Trotz allem, was bedeutet dieser Sieg?

Es war eine haarsträubende Saison für den FC Basel 1893. Eigentlich. Erstmals nach neun Jahren schaut am Ende kein einziger Titelgewinn heraus. Trotzdem war das Jahr nicht nur schlecht.

Basel war nicht schlecht, YB einfach ganz gut

Momentan stehen die Bebbi bei 68 Zählern. So wenige waren es bei Saisonende zwar seit 15 Jahren nicht mehr, aber es sind ja noch zwei Partien auszutragen. Der aktuellen Form entsprechend werden die Basler die letzten sechs zu holenden Punkte einfahren und dann bei 74 Punkten stehen. Mit Murat Yakin wurden die Rotblauen zweimal Meister, holten jeweils 72 Punkte.

Also: So mies, wie es immer wieder dargestellt wird, war die Performance von Raphael Wicky und seinem Team nicht. Es scheint nur so wegen dem titellosen, ''verschwendeten'' Jahr und natürlich dem ganz abgebrühten Auftreten der Berner Young Boys. Allein die Tatsache, dass die Bundeshauptstädter bis zu dieser verheerenden Niederlage gegen Basel am Rekord der Bebbi schnuppern durften, verdeutlicht die hervorragende YB-Saison.

Es ist nichts als menschlich, dass man befreiter spielt, wenn es um weniger geht

Augenscheinlich ist jedoch auch, dass der FC Basel wie von einem anderen Stern spielt, seit die Young Boys sich zum Meister gekrönt haben. Auf die Meisterfeier des BSC YB liess der FCB sogleich einen 6:1-Kracher gegen Thun folgen, eine Woche später einen 2:4-Auswärtssieg gegen St.Gallen und eben jetzt das 5:1 gegen YB. War die Last, auf jeden Fall Meister werden zu müssen, zu schwer für die Spieler? Es scheint so! Innenverteidiger Fabian Frei sagte dazu folgendes: ''Es ist nichts als menschlich, dass man befreiter spielt, wenn es um weniger geht''. 

5:1-Erfolg als Versöhnung vor eigenem Publikum oder doch mehr?

Als ''Prestigeerfolg'' oder ''meisterliches Offensivspektakel'' wurde der Basler Triumph von Donnerstag bezeichnet. Aber ist es nicht noch mehr als das? Cheftrainer Raphael Wicky winkt ab: ''Wir lassen uns von dieser Partie nicht blenden''. Was er damit meint? In dieser Partie ging es nur noch um die ''goldene Ananas'', es war ein Zusatzschmankerl für die stets treuen FCB-Anhänger im gut gefüllten St. Jakob-Park. Und YB-Captain Steve von Bergen sagte nach dem Spiel gegenüber Teleclub, dass es schlicht an der Einstellung gefehlt hatte: ''Wir dachten, wir können nach Basel gehen und mal locker darauf los spielen.''

Ganz ohne Nebengeräusche bleibt dieser 5:1-Erfolg trotzdem nicht. Denn als Gegner stand nicht etwa die B-Mannschaft der Young Boys auf dem Platz, sondern die absolute Top-Elf mit Ausnahme des verletzten Djibril Sow. Und der FC Basel selber spielte sich wie in einen Rausch, mit einer Mannschaft, die nächstes Jahr ähnlich aussehen könnte und hungrig ist auf den Titel.

Basler Kollektiv überzeugt, von hinten bis nach vorne

Mohamed Elyounoussi überragte einmal mehr und zeigt nun seit Wochen, warum er international so begehrt ist. Der 23-jährige Norweger wird nächste Saison sehr wahrscheinlich nicht mehr auf den Schweizer Plätzen zu bestaunen sein – die Premier League ruft und seit neustem angeblich auch Dortmund. Die Rückkehrer Campo, Stocker und Frei finden sich zunehmend besser in der Mannschaft zurecht. Der Erstgenannte glänzte gegen YB mit seinen Saisonvorlagen Nummern 13 und 14 und könnte in der nächsten Spielzeit zu einem ganz wichtigen Baustein werden. Der 22-Jährige wird seiner Trikotnummer 10 immer gerechter, hat eine starke Technik und verteilt die Bälle.

Vorne im Sturm brillierte Eigengewächs Albian Ajeti, der dank seines Doppelpacks an YB-Goalgetter Gui Hoarau in der Torjäger-Liste vorbeizog und nun auf dem ersten Platz logiert. Der 21-jährige Mittelstürmer kommt wie seine Kollegen immer besser in Fahrt, traf in den letzten drei Spielen gleich fünf Mal. Braucht es da noch einen van Wolfswinkel? Vom derzeit verletzten Niederländer spricht momentan niemand mehr.

Die Bebbi von den Gejagten zu den hungrigen Jägern

Die Rotblauen spielen allgemein so, wie die Fans, die Verantwortlichen und Wicky selber das sehen wollen. Schnörkellos von hinten bis nach vorne. Konzentrierte Defensivarbeit, wenig zulassen und dann blitzschnelles Umschalten. Dazu im Angriff gewitzte Spielkombinationen. Beispielsweise der Treffer von Luca Zuffi – die Arbeitsverweigerung der YB-Spieler lassen wir mal beiseite – war derart herrlich herausgespielt, dass der Mittelfeldspieler das Spielgerät nur noch ins leere Gehäuse schieben musste.

Mit diesem FC Basel, der in der kommenden Saison ziemlich ähnlich aussehen wird, ist definitiv zu rechnen! Vor allem steht in der kommenden Saison der amtierende Meister YB unter Druck und Zugzwang. Die Berner werden versuchen zu verhindern, dass dieser Titel nicht nur als kleines Fegefeuer daherkommt. Die Young Boys werden zu den ''Gejagten''.

Ob sie dies ebenfalls so meistern wie die Basler die letzten Jahre und zu einer Serie ansetzen? Dieser FC Basel, der sich nach holprigem Start gefunden zu haben scheint, ist jedenfalls nicht zu unterschätzen. Auch wenn jetzt diese 1:5-Niederlage die Berner Tage danach kaum noch kümmern wird. Ein Warnschuss war’s trotzdem.

· · · ·


Related Articles & Comments

×