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Coach Ireland hat nach den drei Ausfällen eine siegbringende Mischung gefunden

Attenzione – es lauert ein neues, viel gefährlicheres Lugano

Der HC Lugano begeistert. Nicht viele hätten dies den Tessinern Anfangs der Serie zwischen dem Vierten der Quali und dem Fünften zugetraut. Ein Grund für die Skepsis spielten dabei die Ausfälle von den drei Leistungsträgern Chiesa, Brunner und Bürgler.

Am Samstagabend sackte der HC Lugano mit dem 1:3 auswärts in Fribourg den dritten Sieg ein. Nur noch eine Partie fehlt den Tessinern und sie ziehen, wie schon in der letzten Saison, ins Halbfinale ein. Nachdem die ersten zwei Spiele vom Resultat her klarer zu Ende gingen, war es zuletzt zweimal sehr knapp. Zuerst verkürzten die Drachen mit einem hart erkämpften 3:4 nach Verlängerung die Serie auf 1:2, danach kam eben jenes 1:3. Sinnbildlich wurden die drei HCL-Treffer von Lapierre, Hofmann und Cunti erzielt, welche gleichzeitig zu den vier besten Scorer im Bianconeri-Dress zählen. Die Namen von Brunner und Bürgler sind in der Offensive beinahe in Vergessenheit geraten.

Die enorme Effizienz als Lugano-Zünglein an der Waage

Dabei spielt Lugano nicht mal viel besser. Dies sah auch Fribourg-Stürmer Julien Sprunger nach der neuerlichen Niederlage so: „Wir sind nicht weniger gut als Lugano, aber sie spielen besser mit dem Kopf. Sie schiessen einfach die Tore“. Der Vergleich der Schusseffizienz zwischen den zwei Mannschaften macht deutlich, was Sprunger meint. Rund 15.5 Prozent aller Lugano-Versuche landen im Netz, Fribourg dagegen hat eine ernüchternde Prozentzahl von 6.8. Ein enormer Unterschied! Und nicht nur in dieser Hinsicht brillieren die Luganesi gegenüber den Üechtländer. Sie haben das deutlich bessere Überzahlspiel und den statistisch klar besseren Torwart. Der Lette Elvis Merzlikins hält rund 93 Prozent aller Schüsse, nur SCB-Keeper Genoni ist da besser. Ausser der abgegebenen Schüsse spricht somit eigentlich alles für den HC Lugano.

Dieses Lugano, das wir nun sehen, ist ein neuartiges. Es spielt anders, als noch vorhin in der Qualifikation. Ist ein Trainerwechsel schuld? Nein, denn an der Bande steht nach wie vor der Kanadier Greg Ireland. Der 52-Jährige hat jedoch die taktische Ausrichtung verändert. Und daran dürften die Ausfälle der drei erwähnten Schweizer Leistungsträger massgeblichen Anteil haben. „Andere Spieler, die vorhin weniger gespielt haben, können sich nun vermehrt zeigen“, meinte Stürmer Luca Fazzini ganz zu Beginn der Serie. Gemeint sind Spieler wie Sannitz oder Cunti, die in den Playoffs bis anhin scorermässig regelrecht aufblühten. Der neue Spielstil dürfte ihnen gerade recht kommen. Denn es ist jetzt ein defensivorientiertes Lugano. Ireland macht sozusagen einen auf „Mourinho im Eishockey“. Das Spiel der Luganesi ist somit nicht wunderschön und spektakulär, aber, und das ist das Wichtige, erfolgreich! Bezeichnend für diese Taktik oder den neu erfundenen HC Lugano sind gleich zwei Spieler: Maxim Lapierre und Linus Klasen.

Das erneuerte Lugano mit Lapierre als idealem Leitwolf

Nach dem Ausfall von Chiesa wurde der Kanadier Lapierre, schon in der Quali hat sich der Routinier im Vergleich zu früheren Spielzeiten massiv gesteigert, zum Kapitän ernannt. Der 32-Jährige, wird in zehn Tagen ein Jahr älter, lebt das defensive, kämpferische und schuftende Lugano wie kein Zweiter vor. Erfolgreich? Auf jeden Fall! Mit vier Toren und vier Assists führt er die Scorerliste der Playoffs an. Der Schwede Linus Klasen, in der vergangenen Saison noch Topscorer der Luganesi, wurde in den ersten drei Partien gegen Fribourg nicht mal eingesetzt! Nun durfte er am letzten Samstag neben Lajunen und Lapierre wieder mal auflaufen. Dass es also auch mit dem Filigrantechniker klappt, ist bewiesen. Mit dem Nordländer ist das Team von Greg Ireland zudem nochmals etwas unberechenbarer geworden.

Mit diesem Spielstil, dieser unglaublichen Kaltschnäuzigkeit, einem Linus Klasen, der sich in das neue System eingewöhnen muss und kann, einem Captain, der das erfolgreiche Spiel zu hundert Prozent vorlebt und dem allemal vorhandenen Selbstvertrauen, sollte es für die Tessiner am Dienstag reichen, wieder in das Halbfinale einzuziehen. Und egal, wer dann dort wartet. Vom neuen Lugano muss sich jeder in Acht nehmen! Ob es endlich wieder mal, seit 2006, zum Titel reicht?

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