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Vom Aussenseiter zum Stanley-Cup-Kandidaten

Golden Knights mit märchenhaftem NHL-Start

Trotz zuletzt zweier knappen Niederlagen sorgen die Vegas Golden Knights in der NHL für Aufsehen. Mittendrin befindet sich mit Luca Sbisa ein Schweizer.


Vom Aussenseiter zum Stanley-Cup-Kandidaten

Vom Tellerwäscher zum Millionär, ist ein viel gehegter Traum in den USA. Eine ähnliche Geschichte schreiben derzeit die Golden Knights. Der neuen Franchise, die im Juni in einem Expansions-Draft je einen Spieler aus den übrigen 30 NHL-Teams holen durfte, wurde vor der Saison keinerlei Kredit gegeben. Beispielsweise betrug die Wettquote bei „Westgate“ auf einen Stanley-Cup-Triumph von Las Vegas vor dem Meisterschaftsstart 200:1, bei Hälfte der Spielzeit ist sie auf 7:1 gefallen. Weniger Geld lässt sich derzeit einzig mit den Tampa Bay Lightning verdienen, der aktuell besten Mannschaft in der NHL.

Die Golden Knights sind derweil mit 61 Punkten aus 43 Spielen die Nummer 1 im Westen und reihen Rekord an Rekord. Sie dürften auch die Bestmarke der Florida Panthers verbessern, die in ihrer ersten Saison 1993/94 83 Punkte geholt hatten. Vor allem zu Hause ist die Mannschaft aus dem Bundesstaat Nevada eine Macht, setzte es in 22 Partien erst vier Niederlagen ab und bloss zwei nach 60 Minuten.

Ausgeglichenheit als Trumpf

Doch wie ist das möglich? Schliesslich standen die besten Spieler am Expansions-Draft nicht zur Verfügung, da diese geschützt werden konnten. Die fehlenden Stars führen jedoch dazu, dass die Mannschaft über vier Linien ausbalanciert ist. Alle verfügen aufgrund ihrer bisherigen Rollen über ein ausgesprochen defensives Gewissen. Und im Tor überzeugt Altmeister Marc-André Fleury mit einer Abwehrquote von 94,3 Prozent.

Alle kämpfen nach vorne und nach hinten

Für Sbisa sind sie „die ligaweit am härtesten arbeitende Equipe. Alle kämpfen nach vorne und nach hinten.“ Der Zuger Verteidiger erachtet es auch als Vorteil, dass für alle Spieler ein neues Kapitel begann, alle im Trainingscamp praktisch bei Null starten und sich beweisen mussten. Ausserdem leistet der Staff eine vorzügliche Arbeit, holt er das Beste aus allen Spielern heraus. Auch der derzeit verletzte Sbisa, der sich in der vergangenen Woche einer Operation an der linken Hand unterziehen musste und bereits zum dritten Mal in dieser Saison ausfällt, trotzte mit starken Leistungen sämtlichen Prognosen und stand im Schnitt beinahe während 20 Minuten auf dem Eis. Auch die zehn Skorerpunkte (ein Tor) in 24 Partien können sich für einen Verteidiger sehen lassen.

Tragödie als Ursprung der Erfolgsgeschichte

Die märchenhafte Erfolgsgeschichte der Golden Knights ist auch auf ein Tragödie sondergleichen zurückzuführen. Am 1. Oktober erschoss ein Attentäter aus einem Hotelzimmer an der berühmten Casino-Meile 58 Menschen, die an einem Musikfestival weilten. Sbisa selber war zwei Tage zuvor ebenfalls dort gewesen, und hätte er für die gesamte Veranstaltung einen Backstage-Pass erhalten, wäre er am Tag des Attentats nochmals hingegangen. „Normalerweise sieht man solche Sachen nur in den News und denkt, dass einem so etwas nie passiert“, blickt der junge Familienvater auf die schwierige Zeit zurück. In der Folge mussten sich alle Spieler melden, was drei zunächst nicht taten. Auch das war nicht einfach.

Die Mannschaft besuchte in der Folge Spitäler, um zu helfen. „Die Warteräume waren überfüllt“, so Sbisa. Grossen Respekt zollt er den Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern. „Das sind die richtigen Helden.“ Im Vergleich dazu seien sie (die NHL-Akteure) gar nichts. Sbisa weiter: „Es war eindrücklich, wie die ganze Stadt zusammengekommen ist.“

Die Erfolge des Teams spenden etwas Trost. Vor dem mit 5:2 gewonnenen ersten Heimspiel gegen die Arizona Coyotes wurde eine Zeremonie zum Gedenken der Opfer unter dem Motto „Vegas Strong“ durchgeführt. Für Sbisa war es der „speziellste Match meiner Karriere“. Wie gross die Verbundenheit der Menschen in Las Vegas mit den Golden Knights ist, zeigte sich am vergangenen Sonntag, als einem Fan-Fest geschätzt 10'000 Leute beiwohnten.

Während den Partien ist die Unterstützung der Zuschauer elektrisierend, für Sbisa ist es das beste Stadion der Liga. Für Tickets gibt es eine „Kann-nicht-warten-Liste“. Und selbst die Trainings, die in Summerlin, einem gut 20 Minuten entfernten Vorort von Las Vegas stattfinden, wo auch Sbisa selbst wohnt, sind gut besucht. Erreichen die Golden Knights tatsächlich die Playoffs, würde die Euphorie wohl weitere Höhen erreichen. Dann ist dem Team alles zuzutrauen.

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