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Das waren die Enttäuschungen im Schweizer Sportjahr 2017

Von prügelnden Präsidenten, unerfüllten Erwartungen und Verletzungen

Das Sportjahr 2017 war aus Schweizer Sicht eigentlich sehr erfolgreich, doch leider gab es auch Enttäuschungen.

Bei welchen Sportlern sind 2017 dunkle Wolken am Himmel erschienen und bei wem kann es nächstes Jahr (fast) nur noch bergauf gehen? Wir präsentieren euch die grössten Schweizer Enttäuschungen von diesem Jahr. 

Die Verletzungshexe schlägt im Tennis gnadenlos zu

Die Tennis-Saison 2017 wird den Schweizern eigentlich vor allem in positiver Erinnerung bleiben und dies vor allem dank einem Mann; Roger Federer. Er überstrahlte alles, auch den Fakt, dass die anderen Schweizer Topspielerinnen und Topspieler gar kein gutes 2017 durchlebten. 

Stan Wawrinka startete eigentlich gut in die Saison und scheiterte beispielsweise an den Australian Open erst im Halbfinale an Roger Federer. Auch in Indian Wells bedeutete Federer im Finale Endstation. In Genf holte er sich seinen einzigen Turniersieg des Jahres und an den French Open musste er im Finale dem überragenden Rafael Nadal zum klaren Sieg gratulieren. Der Tiefpunkt war dann Wimbledon, als der Romand sogleich in der ersten Runde scheiterte und danach wegen einer notwendigen Knie-Operation kein einziges Spiel mehr absolvieren konnte. 

Bei den Frauen sah es sogar noch düsterer aus, vor allem Belinda Bencic wird das Jahr 2017 schnellstmöglich vergessen wollen. Bereits Anfang Mai gab die Newcomerin des Jahres 2014 bekannt, dass sie sich einer Handgelenks-Operation unterziehen müsse. Ihr Comeback gab sie dann erst im September, welches dann aber relativ erfolgreich verlief. Sie bestritt vor allem Challenger-Turniere und arbeitete sich somit mittlerweile wieder in die Top 100 vor. Bencic wird ganz besonders aufs nächste Jahr brennen. 

Timea Bacsinszky musste genau wie Wawrinka nach Wimbledon ihre Saison vorzeitig abbrechen. Auch sie unterzog sich einer Handgelenks-Operation und auch vor ihrer Verletzung hatte sie eine wenig erfolgreiche Saison. Ausnahme waren jedoch die French Open, bei denen sie bis ins Halbfinale vorstoss und dort erst der späteren Siegern Jelena Ostapenko unterlag. 

Die Verletzungshexe hat jedoch nicht nur bei den Schweizern, sondern ganz allgemein Tennis gnadenlos zugeschlagen. Mit Andy Murray, Novak Djokovic und Kei Nishikori mussten viele Weltklasse-Spieler ihre Saison wegen einer Verletzung frühzeitig abbrechen. 

Der grosse Wermutstropfen in St.Moritz

Die WM 2017 war eigentlich ein wahres Schweizer Freudenfest. Doch eine bittere Szene sorgte bei allen Schweizer Fans für einen Schockmoment; nämlich der Moment, als sich Lara Gut beim Einfahren für den Kombi-Slalom das Kreuzband gerissen hatte.

Für die Tessinerin sollte die Heim-WM zur grossen Kür werden und sie konnte im ersten Rennen, dem WM-Super G auch gleich eine Bronzemedaille gewinnen. Doch schon das war eine leise Enttäuschung, war sie doch in den vorangegangen Super-G’s die absolute Dominatorin. Mittlerweile ist Lara Gut wieder fit und sie konnte sich in dieser Saison bereits schon wieder über einen Podest-Platz freuen. Sie wird vor allem für die olympischen Winterspieler in Pyeongchang richtig motiviert sein und hoffentlich kann sie dort das Verpasste von St.Moritz nachholen. 

Ein Tiefschlag mit fatalen Folgen?

Carlo Janka durchlebte keine wirklich prickelnde letzte Saison. Im Weltcup schaffte er nur zweimal den Sprung auf das Podest und insbesondere die WM in St.Moritz endete für den Bündner in einer Enttäuschung, konnte er sich seine eigenen Ziele nicht erfüllen und musste ohne Medaille wieder nach Hause reisen. Der grosse Tiefschlag erfolgte dann jedoch erst auf die neue Saison hin, als er sich Ende Oktober das Kreuzband riss.

Normalerweise wäre die Olympia-Saison für Janka somit kein Thema mehr, doch der Bündner hat die Hoffnung auf Pyeongchang noch nicht aufgegeben. Es wäre dem Iceman zu gönnen, wenn er den Wettkampf gegen die Zeit für sich entscheiden könnte.

Die verpasste Chance

An der WM in Frankreich spielten die Eisgenossen, anders als in den letzten Jahren, endlich wieder einmal erfolgsversprechendes Eishockey. Highlights waren dabei die Vorrunden-Siege gegen das grosse Kanada und gegen Tschechien, dank welchen man am Ende sogar den zweiten Platz in der Gruppe belegen konnte. Somit konnte sich das Nationalteam endlich wieder einmal für das Viertelfinale qualifizieren und dank der guten Leistungen erhoffte man sich auch gegen die bis dato wenig überzeugenden Schweden einen Exploit. Dieser blieb leider aus und die Schweiz schied gegen die Skandinavier aus. Eine verpasste Chance, wäre doch an dieser WM auch noch etwas mehr möglich gewesen. 

Nicht erfüllte Erwartungen in Holland

Die Europameisterschaft der Frauen fand dieses Jahr in Holland statt. Die Frauen-Nati reiste mit grossen Erwartungen an das Turnier, hat man in der Quali doch sämtliche Spiele gewonnen und auch die Entwicklung in den letzten Jahren zeigte steil nach oben. Die grosse Ernüchterung folgte jedoch sogleich im Startspiel, als man etwas überraschend den Österreicherinnen mit 0:1 unterlegen war. Diese setzten danach zum Höhenflug an, während die Schweizerinnen in der Folge bereits nach der Vorrunde die Koffer packen musste. Besonders bitter war das dritte Gruppenspiel gegen die haushohen Favoritinnen aus Frankreich, als man in Überzahl bis zur 75. Minute in Führung lag und sich schon mit einem Bein im Achtelfinale wähnte. Doch Torhüterin Gaëlle Thalmann unterlief ein folgenschwerer Patzer, welcher schlussendlich das Ausscheiden besiegelte.

 

Ein bitterer Moment für die Schweizerinnen und eine der grossen Enttäuschung im Sportjahr 2017. 

Ein folgenschwerer Sturz zur Unzeit

Tom Lüthi fuhr eigentlich eine starke Moto2-Saison. Er forderte den späteren Weltmeister Franco Morbidelli bis zum Schluss. Wobei dieser Satz nicht ganz korrekt ist, hat sich der Schweizer doch vor dem zweitletzten Grand Prix in der Qualifikation bei einem üblen Sturz den Fuss gebrochen.

Im Anschluss musste er die Saison vorzeitig abbrechen und seinem italienischen Kontrahenten ohne Gegenwehr zum Titel gratulieren. Eine grosse Enttäuschung für den Emmentaler, wurde ihm durch den Sturz die (zugegebenermassen kleine) Chance auf den Weltmeistertitel genommen. Immerhin darf sich Tom Lüthi damit trösten, dass er nächste Saison endlich seinen grossen Traum von der Königklasse, dem MotoGP, erfüllen kann. Hoffentlich wird er seine Premieren-Saison auch bis zum Schluss zu Ende fahren können. 

Ein prügelnder Präsident ohne Reue

Christian Constantin ist ja bekannt für gewisse Eklats, doch was er dieses Jahr geboten hat, hat man selbst vom Sion-Präsidenten noch nie gesehen. Nach dem Super League Spiel zwischen dem FC Lugano und dem FC Sion verlor Constantin komplett die Beherrschung und attackierte den früheren Fussball-Trainer und jetzigen Teleclub-Experten Rolf Fringer.

Eine unfassbare Szene, welche natürlich ein grosses Nachspiel nach sich zog. Constantin zeigte nämlich nur bedingt Reue und ging sogar selbst in die Offensive. Nachdem er von Fringer angezeigt wurde, drehte er den Spiess und zeigte sein Opfer wegen Rufschädigung und Verleumdung gleich selbst an. Die ganze Geschichte hatte nämlich ein Vorspiel, welches sich beim Präsidenten offenbar aufgestaut hatte. Rolf Fringer attackierte den Sion-Präsidenten nämlich des Öfteren auf verbale Weise im Fernsehen.

Die Swiss Football League leitete auf alle Fälle eine Untersuchung ein und bestrafte den Sion-Präsidenten mit einer 14-monatigen Stadion-Sperre plus 100’000 Franken Busse. Doch sogar dies liess Constantin kalt und er ging in Rekurs und hatte damit tatsächlich teilweise Erfolg, wurde seine Strafe doch auf neun Monate Stadionsperre und 30’000 Franken Busse reduziert. Vermutlich ist diese Geschichte damit immer noch nicht beendet und Constantin wird uns mit Sicherheit auch nächstes Jahr wieder unterhalten. 

Das Haar in der Suppe

Zugegeben, Roger Federer bei den Enttäuschung nur schon zu erwähnen, ist mehr als nur vermessen, hat doch der Schweizer Sportler des Jahres 2017 praktisch ausnahmslos für positive Schlagzeilen gesorgt. Es ist definitiv das Haar in der Suppe, welches wir hier suchen. Trotzdem entsprach der Jahresabschluss des Maestros nicht ganz dem Rest seiner Saison.

An den ATP World-Tour-Finals spielte sich Federer ohne grössere Mühe in den Halbfinal, wo er auf den Belgier David Goffin traf. Dies war ein typisches David-gegen-Goliath-Duell, hatte Federer gegen Goffin doch in zuvor sechs Direktduellen alle Partien gewonnen. FedEx wünschte sich sogar ein Halbfinale gegen den Belgier, da er sich gegen ihn die grössten Chancen auf die Finalteilnahme ausrechnete.

Tatsächlich startete er fulminant in die Partie und konnte den ersten Satz ohne Probleme und im Eiltempo mit 6:2 für sich entscheiden. Danach riss beim Schweizer jedoch der Faden, während Goffin plötzlich enorm aufdrehte. Der Belgier sorgte schlussendlich tatsächlich für die grosse Sensation und warf FedEx in drei Sätzen aus dem Turnier.

Eine leise Enttäuschung für alle Fans, hätte Federer doch mit einem Turniersieg in der Weltrangliste ganz nahe an Rafael Nadal heranrücken können. Trotzdem bleibt bei ihm natürlich das Positive aus diesem Jahr hängen und wir hoffen, dass er nächstes Jahr noch einmal einen Angriff Richtung Tennis-Thron starten kann. 

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