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Franzose entwickelte sich zu einer tragenden Säule

Rabiots Entwicklung bei PSG: Der Traum von der Insel

Adrien Rabiot hat sich zu einer tragenden Säule bei Paris Saint-Germain entwickelt. Der gebürtige Pariser nahm auf seinem Weg in die Startelf einige Umwege und hat bereits seit seiner Jugend die Premier League im Auge.

Mit 13 Jahren musste Adrien Rabiot seinen Traum zum ersten Mal begraben. „Alles lief gut, doch nach sechs Monaten hat Manchester City bestimmte Abmachungen nicht eingehalten. Meine Mutter stoppte die Zusammenarbeit und wir gingen wider zurück nach Frankreich“, erzählt Rabiot.

Der Franzose wagt 2008 aus der Jugend des US Creteil den Sprung auf die Insel, doch seine Mutter Veronique ist bereits nach kurzer Zeit der Meinung, dass der Klub nicht die Interessen ihres Sohnes vertrete. Aus der Traum von der Premier League – vorerst.

Rabiot debütiert unter Carlo Ancelotti

Rabiot kehrt zu seinem Heimatverein zurück und spielt sich über die Zwischenstation FC Pau in den Fokus von Paris St.-Germain. Mit 15 wechselt er in die Akademie des Hauptstadtklubs. Dort durchläuft er mit Bayerns Kingsley Coman die U-Mannschaften, ehe Carlo Ancelotti ihm mit 17 Jahren zu seinem Debüt verhilft.

Aber: Der Weg bis zum endgültigen Durchbruch ist noch weit. In Ancelottis Kader spielt er nur eine untergeordnete Rolle. An den etablierten Thiago Motta, Mohamed Sissoko und Blaise Matuidi kommt er nicht vorbei – und dann gibt es da auch noch den italienischen Youngster Marco Verratti.

Während Coman nach Turin geht, lässt sich Rabiot zum FC Toulouse ausleihen. Dort wird er in der Rückrunde 2012/13 zum Stammspieler und kehrt nach einen halben Jahr mit grossen Ambitionen nach Paris zurück.

Rabiot nur Ergänzungsspieler unter Laurent Blanc

Aber auch nach dem Trainerwechsel von Ancelotti zu Laurent Blanc ist Rabiot nicht gleich erste Wahl, er pendelt zwischen Startelf und Bank. Zu wenig für den tatendurstigen Jungspund. Rabiot bittet Blanc darum, ihn zum FC Arsenal ziehen zu lassen.

Von diesem Vorschlag ist der Trainer wenig begeistert: „Es nervt mich. Adrien muss verstehen, dass er gehen kann, wenn sein Vertrag ausläuft. Allerdings hat er einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet, weswegen er seinen Klub respektieren muss.“

Rabiot darf nicht gehen, bleibt aber unter Blanc vor allem Ergänzungsspieler. Aus der Traum von der Premier League – vorerst.

Rabiots Aufstieg unter Unai Emery

Erst mit dem Trainerwechsel zur Saison 2016/17 steigt Rabiot in der Hierarchie weiter auf. Und das obwohl neben Motta, Matuidi und Verratti auch noch der jetzige Schalker Benjamin Stambouli und Grzegorz Krychowiak bei PSG um die Positionen im Mittelfeld streiten. Der Pole kommt mit Emery aus Sevilla, kann in Paris allerdings nie Fuss fassen. Wieso? „Nun ja, dort spielt eben Rabiot. Er macht seine Sache sehr gut“, sagt Emery.

Der Franzose wird zu einem festen Bestandteil der Mannschaft: Elf Spiele verpasste Rabiot in der vergangenen Saison – neun davon verletzt. Sowohl Krychowiak als auch Stambouli spielen nicht mehr in Paris, ausserdem liess PSG Matuidi vor der laufenden Spielzeit zu Juventus ziehen.

Jetzt ist Rabiot gesetzt. In 15 von 16 Ligaspielen stand er in der Startelf, in der Champions League begann er in allen sechs Partien. Emery schätzt die Qualitäten Rabiots, der viele Fähigkeiten eines modernen Sechsers vereint.

Rabiot liebt das Kurzpassspiel und baut das Spiel der Pariser auf, indem er sich oft nach hinten fallen lässt. In Europas fünf grossen Ligen gibt es keinen Spieler, der in dieser Saison mehr Pässe an den Mann gebracht hat. „Seine Entwicklung ist grandios“, sagt Emery.

Rabiot: Mischung aus Motta und Verratti

Rabiot besticht durch Übersicht, Raumgespür und kann auch Pässe in die Tiefe spielen, von denen vor allem Neymar und Kylian Mbappe profitieren. Ausserdem ist er souverän im Eins-gegen-eins, gut im Kopfball und stark im Zweikampf.

„Ich habe mich dadurch entwickelt, Thiago Motta und Marco Verratti jeden Tag im Training zuzuschauen“, sagt Rabiot. „Ich repräsentiere einen Mix aus beiden, während ich auch eigene Charakteristiken habe“, sagt Rabiot.

„Er ist ein Junge mit riesigem Potenzial“, findet Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps, der ihn vor etwas mehr als einem Jahr im Freundschaftsspiel gegen die Elfenbeinküste debütieren lässt – bis jetzt machte er aber nur vier weitere Spiele, obwohl er elf Mal im Kader stand.

Im französischen Mittelfeld herrscht ein Überangebot, so dass er seinen Platz im WM-Kader 2018 noch nicht sicher hat. Im letzten Test des Jahres gegen Deutschland stand er aber 90 Minuten auf dem Feld.

Premier League im dritten Anlauf?

Mit 22 Jahren hat er sich über Umwege in den wichtigsten Mannschaften seines Landes etabliert. Trotzdem befeuert er in den vergangenen Wochen die Gerüchteküche selbst.

Das Ziel, wie könnte es anders ein: die Premier League. „Ich würde gerne in einer anderen Liga Erfahrungen sammeln. Es bereitet mir Freude, daran zu denken, eines Tages in der Premier League zu spielen“, sagt Rabiot.

Rabiots Wechselgedanken scheren PSG scheinbar wenig. Der Vertrag des Franzosen läuft 2019 aus, Gespräche gab es bisher nicht. „Wir haben im Moment keine Verhandlungen. Es hat noch nichts begonnen“, erklärt er.

Trainer Emery will den Jungen aus Paris aber gerne halten, um trotz des grossen Geldes auch die Identität des Klubs zu stärken: „Ich will Franzosen in einem französischen Team.“

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