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Die Nati zeigte in Belfast eine nicht mehr für möglich gehaltene Tugend

Warum ein Unternehmen mit Sitz in Modena tief durchatmen wird

Die Schweiz hat in Belfast einen grossen Schritt in Richtung WM-Qualifikation getätigt. Dabei überzeugten die Schweizer nicht unbedingt spielerisch, dafür umso mehr mit einer sehr kämpferischen, engagierten und vor allem konzentrierten Leistung. Im mentalen Bereich war jeder Spieler voll auf der Höhe, welcher nach dem Nackenschlag gegen Portugal im Vorfeld dieser Partie durchaus für Fragezeichen sorgte. 


Die Gretchenfrage vor dem Spiel

Das Spiel gegen Portugal ist wohl noch allen präsent, schliesslich ist es erst etwa einen Monat her. Die Enttäuschung war bei allen riesig und zu allem Überfluss kamen alle Nati-Kritiker, welche schon beinahe einen Winterschlaf zu befürchten hatten, aus ihrem Loch gekrochen, um den Finger auch schön in die Wunde legen zu können. Diese Mannschaft habe einfach keinen Charakter und bei diesen „Schweizern“ sieht man ja schon bei der Hymne, dass sie sich nicht mit unserem Land identifizieren! Ein Kritikpunkt, welchen man in letzter Zeit sehr oft zu hören bekam und als richtiger Schweizer Fan konnte man nur hoffen, dass diese Gretchenfrage, welchen Charakter diese Mannschaft in wichtigen Spielen an den Tag legt, mit einer klaren Antwort beantwortet werden konnte. Und sie gaben eine; wie Xhaka nach dem Spiel treffend formuliere: „Wir waren mental parat!“ Diese mentale Bereitschaft ist eine Tugend, die bei der Nati, so machte es zumindest den Anschein, schon beinahe in Vergessenheit geraten ist und für das Hinspiel in Belfast wieder aus der Schublade herausgeholt wurde. 

Die Schweiz und schon wieder der Vergleich mit Deutschland

Die Nati machte zwar keinesfalls ein überragendes Spiel, wenn man sich die spielerischen Elemente zu Gemüte zieht. Das Angriffsspiel war einerseits etwas zu statisch und es wurden auch viele Fehlpässe gespielt. Es war jedoch schon von Anfang an klar, dass in der Barrage andere Elemente entscheidend sein werden. Die Nati hat den Gegner gar nie ins Spiel kommen lassen und das Spiel von A bis Z beherrscht, was die Tatsache, dass Nordirland keinen einzigen Torschuss auf das Gehäuse der Schweizer abgeben konnte, eindeutig untermauert. Ausserdem sollte man sich im Hinterkopf behalten, dass die Nordiren in der Quali nur ein einziges Heimspiel verloren haben und dies gegen niemand geringeren als den Weltmeister Deutschland der Fall war. Nordirland ist durchaus eine Knacknuss, die die Schweiz (mit dem Nussknacker von Schiedsrichter Ovidiu Hategan) mit viel Leidenschaft und Wille öffnen konnte. 

Helvetia hat das „Green & White Monster“ gebodigt

Was wurde im Vornherein dieses Hinspiels nicht alles über den Gegner Nordirland geschrieben. Sie seien wahre Zweikampf-Monster, die überdurchschnittlich viel Leidenschaft mit in das Spiel bringen und mit ihrem unbändigen Willen für jeden Gegner schwer zu schlagen seien. Im Nachhinein betrachtet wurde der Schweiz-Gegner unnötig stärker gemacht, als er in Wirklichkeit ist. Die Schweiz kaufte den Nordiren den Schneid total ab, auch wenn das Siegestor einem irregulären Penalty geschuldet war. „Das Glück des Tüchtigen“ wie Böni vom Blick unmittelbar nach dem Spiel richtig erkannt hatte. Nordirland hat die eigenen Fans in allen Belangen enttäuscht, anders können die Pfiffe unmittelbar nach dem Spiel wohl auch kaum gedeutet werden. Erst nach dem Spiel zeigten die Nordiren emotionale Züge, als man in erster Linie den Schiedsrichter für die Hinspiel-Niederlage verantwortlich zeichnete. Fakt ist jedoch, dass sich die Schweiz vor diesem Gegner auf keinen Fall zu fürchten hat; erst recht nicht im alles entscheidenden Rückspiel vor eigenem Anhang in Basel. 

In Italien wird leise gejubelt; zumindest in Modena

Der Hinspiel-Sieg der Schweizer Nati in Nordirland wurde sogar in Italien leise bejubelt. In Italien? In Modena hat nämlich ein spezielles Unternehmen, welches vor allem für die Fussball-Grossanlässe von grosser Bedeutung ist, seinen Hauptsitz. Die Rede ist von Panini. Wer kennt sie nicht, die Panini-Bilder, die sogar in jedem erwachsenen Fan das innere Kind hervorrufen. Warum sollten sie nun Freude darüber haben, wenn ein kleines Land wie die Schweiz in ihren Sammelalben vertreten sind? Ganz einfach, die Schweizer sind Sammelweltmeister. Diese Fussball-Bilder verkaufen sich hierzulande nämlich so gut, dass für unser Land in der Vergangenheit bereits mehrere Sonderausgaben angefertigt wurden. Eine erneute Spezialausgabe für die Schweiz kann von Panini zwar noch nicht in Auftrag gegeben, dafür bereits geplant werden. In Modena wird am Sonntag sicherlich gespannt nach Basel geschaut werden. 

Die Nati als ihr grösster Gegner

Die Schweiz hat den ersten grossen Schritt in Richtung Russland getätigt. Sie sollte sich aber auf keinen Fall zu sicher sein, denn ein 1:0-Vorsprung ist ein trügerisches Resultat. Sie muss mit der gleichen mentalen Stärke und der gleichen Konzentration auch in Basel ans Werk gehen, ansonsten könnte die Schweiz doch noch einen unrühmlichen Weltrekord aufstellen und anstelle an der WM in Russland, im Guinness-Buch der Rekorde einen Platz ergattern. Man wäre bei einem Scheitern nämlich die bis dato einzige Mannschaft, die mit so vielen Punkten in der WM-Quali die Endrunde trotzdem verpassen würde. Doch davon gehen wir nicht aus, haben die Schweizer doch ein stabiles Fundament gelegt. Oder anders formuliert, es müsste in Basel ein sehr starker Sturm aufziehen, wenn dieses gelegte Fundament noch einstürzen solle. Wie hat Sascha Ruefer unmittelbar nach dem Spiel so schön gesagt, als er den WM-Zug erwähnte? „Der Zug ist da und die Türen sind bereits offen; jetzt gilt es für die Schweizer nur noch einzusteigen!“ Die einzige Mannschaft, die dem ganzen WM-Märchen nun noch ein böses Ende bereiten kann, sind nämlich nicht die Nordiren, sondern die Schweizer selbst. Und zwar dann, wenn sie beim Einsteigen noch über die eigenen Füsse stolpern sollten. 

Der Zug ist da und die Türen sind bereits offen; jetzt gilt es für die Schweizer nur noch einzusteigen!

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