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Vom Sieg über den Europameister bis hin zur Enttäuschung im Estadio da Luz

Die Barrage kann kommen – das waren die 10 Qualispiele der Schweiz

Zehn Spiele, 27 Punkte und begeisternder Fussball! Das alles hat uns die Mannschaft von Vladimir Pekovic in der Kampagne zur WM-Qualifikation geboten.

Auch wenn am Ende natürlich die grosse Enttäuschung im Estadio da Luz steht, die wohl talentierteste Nati aller Zeiten hat so einige neue Fans dazu gewinnen können! In dieser Diashow wollen wir deshalb den (bisherigen) Weg der Schweizer Nationalmannschaft nochmals Revue passieren lassen. Wir wünschen viel Spass! 

Spiel 1:
06. September 2016:
Schweiz vs. Portugal 2:0
Torschützen: 1:0 Embolo (24.), 2:0 Mehmedi (30.)

Es war der Startschuss zu einer glorreichen Kampagne! Nach dem enttäuschenden Ausscheiden an der EM brannten die Nati und ihre Fans auf einen guten Start in die WM-Qualifikation, zumal es gegen den frischgebackenen Europameister ging. Die Schweiz trat unerschrocken und souverän auf und entschied das Spiel mit einem Doppelschlag von Breel Embolo (24. Minute) und Admir Mehmedi (30. Minute) zur Überraschung aller. Und nicht nur das: gegen die Portugiesen machte die Nati das Spiel und überforderte den Favoriten Mal für Mal. Ob das daran lag, dass Cristiano Ronaldo verletzt fehlte? Vielleicht. Trotzdem: eine Wahnsinnsleistung unserer Jungs. Vor allem von Granit Xhaka, dessen Auftritt das Prädikat „Weltklasse“ verdiente. Bis in die Nachspielzeit, jedenfalls. Zum Ende holte sich der Arsenal-Heisssporn seine zweite Gelbe ab und durfte eine Minute früher als alle anderen unter die Dusche.

Aber das war nur ein kleiner Wermutstropfen. Das Spiel war der Startpunkt für eine unglaublich erfolgreiche, aber gleichzeitig auch – das vergessen wir rückblickend gerne – auch streckenweise mühselige Qualifikation der Schweizer Nati.

Spiel 2:
07. Oktober 2016:
Ungarn vs. Schweiz 2:3
Torschützen: 0:1 Seferovic (51.), 1:1 Szalai (53.), 1:2 Rodríguez (67.), 2:2 Szalai (71.), 2:3 Stocker (89.)

Etwas mehr als ein Monat ist seit dem furiosen Start gegen Portugal ins Land gezogen und die Schweizer Nati kam nach der Anfangseuphorie langsam im Daily Business der Qualifikation an. Im ungemütlichen Groupama-Stadion in Budapest tat sie sich gegen die Ungarn lange Zeit schwer. Das Fehlen von Granit Xhaka, der eine dumme Sperre absitzen musste, im Mittelfeld war deutlich spürbar. Bis zur Halbzeit fielen keine Tore. Nach dem Pausentee begann der Torreigen: Seferovic erlöste die Schweiz in der 51. Minute – könnte man denken. Doch der Jubel war noch nicht ganz verklungen, da schoss Adam Szalai das 1:1 nach Vorarbeit von Laszlo Kleinheisler. 

Das war ein Dämpfer für die Nati, doch sie liess nicht locker. Nach einer wunderbaren Flanke von Valon Behrami stand Ricardo Rodriguez goldrichtig und haute den Ball volley in die Maschen. Doch wiederum dauerte es nicht lange, bis die Ungaren zurück waren. Es war wieder Szalai, dieses Mal per Kopf. 

Als man sich schon fast mit dem Unentschieden abgefunden hatte, gab es nochmals zwei Wechsel: bei den Ungarn ging Doppeltorschütze Szalai, bei den Schweizern Haris Seferovic. Der für ihn eingewechselte Stocker brauchet keine zwei Minuten – viel mehr Zeit hatte er auch nicht – um einzunetzen: 89. Minute, 2:3 für die Schweiz. Die Ungarn konnten nicht mehr reagieren, zumal ihnen Offensivkünstler Szalai nun fehlte und sie mussten die Heimniederlage hinnehmen.

Das war kein einfaches Spiel für die Nati – umso wichtiger waren die drei Punkte, die sie aus Budapest entführten.

Spiel 3:
10. Oktober 2016:
Andorra vs. Schweiz 1:2
Torschützen: 0:1 Schär (19.), 0:2 Mehmedi (77.), 1:2 Martinez (90.)

Drei Tage später stand ein Spiel an, in dem es nichts zu gewinnen, wohl aber viel zu verlieren gab. Spielte die Nati in Basel vor 36’000 Fans und in Budapest vor einer Kulisse von immerhin fast 22’000 Leuten, waren es in Andorra La Vella knapp mehr als 2’000. Ein grosses Spiel konnte das gar nicht werden und wurde es auch nicht. Immerhin ging die Schweiz durch einen Schär-Elfmeter in der 19. Minute in Führung.

Ein 1:0-Vorsprung war natürlich ob der Überlegenheit auf dem Papier viel zu wenig. Und man wusste nie, zu was die Elf des Pyrenäenstaates alles fähig ist. Es dauerte darum viel zu lange, bis Admir Mehmedi in der 77. Minute eine Flanke von links per Kopf im Tor versenken und auf 2:0 stellen konnte. Und das war auch bitter nötig: in der 90. Minute gelang Andorra doch tatsächlich der Ehrentreffer. Ein weiter Abschlag von Schlussmann Josep Gomes landete bei Joker Alexandre Martinez, der Bürki im Tor der Schweiz mit einem sehenswerten Distanzschuss erwischte.

Auch wenn Andorra wohl kein weiteres Tor mehr geschafft hätte – am Ende waren alle froh, dass das Spiel bald darauf abgepfiffen wurde und die drei Punkte gesichert waren. Die Nati gewann keinen Schönheitspreis, aber das musste sie auch nicht. 

Spiel 4:
13. November 2016:
Schweiz vs. Färoer 2:0
Torschützen: 1:0 Derdiyok (27.), 2:0 Lichtsteiner (83.)

Endlich wieder ein Heimspiel! Nach den zwei schwierigen Kicks in Budapest und Andorra La Vella durfte die Nati für ihr letztes Pflichtspiel des Jahres 2016 vor heimischem Publikum antreten. Die Kulisse in der swissporarena war deutlich weniger beeindruckend als gegen Portugal im St. Jakobspark, aber es trat ja auch nicht der Europameister an, sondern ein verschlafener Inselstaat im Atlantik mit einer Bevölkerung von knapp 50’000 Menschen. Das entspricht in etwa der Stadt Biel. Dementsprechend klar war wiederum die Rollenverteilung: die Färinger wollten die Schweizer ärgern, während diese mit möglichst wenig Kraftaufwand die drei Pflichtpunkte sichern wollten. Hauptkonkurrent Portugal hatte sich nach der anfänglichen Niederlage nämlich gefangen und Andorra und den Färoer je gleich sechs Kisten reingehauen.

Die Nati begann etwas fahrig und bekundete Mühe, ins Spiel zu kommen, steigerte sich aber und wurde in der 27. Minute belohnt, als Eren Derdiyok das wichtige 1:0 erzielte. Die Schweiz dominierte das Spiel, riss sich aber kein Bein aus und spielte gegen die harmlosen Färinger den ungefährdeten Sieg runter. Das Resultat gab aber, wie gegen Andorra, wenig Anlass zur Beruhigung, denn auch diesem Gegner war ein Zufallstor durchaus zuzutrauen. Stephan Lichtsteiner zerstreute in der 83. Minute dann aber alle Zweifel mit dem 2:0 per Kopf auf eine Flanke von Ricardo Rodriguez.

Damit war die Schweiz so gut in eine Qualifikation gestartet, wie zuvor letztmals 1970. In der EM-Qualifikation hatte es damals zu Beginn vier Siege gegeben, bevor sich England als zu stark erwies. 

Spiel 5:
25. März 2017:
Schweiz vs. Lettland 1:0
Torschützen: 1:0 Drmic (66.)

Im ersten Pflichtspiel des Jahres ging es für die Nati gegen Aussenseiter Lettland, das zuletzt gegen Ungarn und sensationell gegen die Färöer verloren hatte. Vladimir Petkovic stand vor keiner leichten Aufgabe, waren doch viele seiner langjährigen Stammspieler im Club auf dem Abstellgleis gelandet und/oder befanden sich ausser Form. Dazu gehörten, unter anderem Fabian Schär, Ricardo Rodriguez und Stephan Lichtsteiner. Obwohl die Letten die klaren Aussenseiter waren, durfte sich die Nati keinesfalls des Sieges sicher glauben. Und das Spiel gestaltete sich erneut zäh.

Zwar verbrachte Yann Sommer im Tor erneut einen vergleichsweise gemütlichen Abend und die Schweiz dominierte das Mittelfeld wie gewohnt, aber das Runde wollte über eine Stunde lang einfach nicht ins Eckige. Dzemaili und Seferovic aus der Nähe, Shaqiri und Xhaka aus der Distanz – allesamt scheiterten sie am FCZ-Keeper Andris Vanins, der bei den Letten das Tor hütete, am Bein eines Verteidigers oder sie verfehlten das Tor. Kurz nachdem Shaqiri den Schlussmann völlig freistehend anschoss, reagierte Petkovic und brachte frisches Blut: In der 65. Minute kam Josip Drmic für Gelson Fernandes – ein Wechsel, der sich sofort auszahlte. 

Wie schon gegen Ungarn (damals war es Valentin Stocker) stich der Joker innert weniger Momente auf dem Platz. Drmic köpfte eine Flanke an Vanins vorbei und sicherte der Schweiz so den 5. Sieg im 5. Spiel. Das war eine neue Bestleistung für eine Schweizer Nati und auch dieser Erfolg war hart erkämpft.

Spiel 6:
09. Juni 2017:
Färöer vs. Schweiz 0:2
Torschützen: 0:1 Xhaka (36.), 0:2 Shaqiri (59.)

Für das Rückspiel gegen die Färöer waren die Vorzeichen genau gleich, wie bei bisher allen Spielen in dieser Gruppe. Die Schweiz durfte sich keinen Aussetzer erlauben, wollte sie den Dreipunktevorsprung auf Portugal behalten. Vor immerhin 4’600 Zuschauern gab es für die Nati nur einen Weg: nach vorne. Und wieder brauchte die Nati einige Versuche, bevor es im Tor von Gunnar Nielsen klingelte. Dieses Mal war es Mittelfeldregisseur Granit Xhaka, der das Skore eröffnete. In der 36. Minute zog er von der Strafraumgrenze einfach mal ab und erwischte den Färinger Schlussmann mit einem platzierten Flachschuss. 

Eine gute Viertelstunde nach der Pause besorgte Xherdan Shaqiri das Tor zum 2:0-Endstand. Der Zauberzwerg entwischte seinen Bewachern und verwertete ein steiles Zuspiel von Blerim Dzemaili, der sich damit den zweiten Assist des Abends gutschreiben durfte. 

Die Nati kam zwar zu keinen weiteren Toren, spielte aber stark und geriet zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. 

Spiel 7:
31.August.2017:
Schweiz vs. Andorra
Torschützen: 0:1 Seferovic (43.), 0:2 Seferovic (63.), 0:3 Lichtsteiner (67.)

Es waren widrige Wetterbedingungen, welche herrschten, als die Schweiz im St. Galler Kybunpark die Mannschaft aus Andorra zum Rückspiel empfing. Es regnete wie aus Kübeln und der Rasen weichte sich derart auf, dass die Partie in beiden Halbzeiten für mehrere Minuten unterbrochen werden musste. Auch die Pause dauerte fünf Minuten länger als üblich. Am Rande des Erträglichen gelang der Nati kurz vor der Pause das wichtige 1:0 durch Haris Seferovic, der eine massgeschneiderte Flanke von Shaqiri mit dem Kopf über die Linie drückte. 

In einem Duell, welches die ganze Zeit kurz vor dem Abbruch stand, gab es für die Feinschmecker in der Ostschweiz höchstens gute Bratwürste zu geniessen, anstelle von deftiger Fussballkost. Sinnbildlich dafür war der zweite Treffer von Seferovic: Aus dem Abseits kommenden warf sich der Mann aus Sursee in das Getümmel vor dem Kasten der Gäste und wuchtete den Ball in die Maschen. Nur vier Minuten später erzielte Stephan Lichteiner, wiederum per Kopf, den Endstand zum 3:0. 

Der Kapitän wetterte nach dem Abpfiff darüber, dass unter solch katastrophalen Umständen überhaupt noch Fussball gespielt werden musste. Der Ärger verflog jedoch mindestens in den Tagen danach, als man erfreut feststellen durfte, dass die Schweiz weiterhin makellos an der Tabellenspitze thronte. 

Spiel 8:
03.September.2017:
Lettland vs. Schweiz 0:3
Torschützen: 0:1 Seferovic (9.), 0:2 Dzemaili (55.), 0:3 Rodriguez (58.)

Natürlich reiste die Schweiz als grosser Favorit in die Hauptstadt Lettlands. Und die Nationalmannschaft sollte ihrer Rolle in Riga von Anfang an gerecht werden. Nach wenigen Minuten resultierte aus der Startoffensive bereits die erste Tormöglichkeit und bereits der neunten Spielminute überwand Seferovic Vanins in der nahen Ecke zur Führung. Diese hätte Dzemaili in der 32. Minute eigentlich erhöhen müssen, doch sein Penalty flog weit in den Nachthimmel über dem Stadion. Trotz vielen weiteren Chancen ging die Mannschaft von Vladimir Petkovic mit dem knappsten aller Vorsprünge in die Pause.

Anders als noch zu Zeiten Ottmar Hitzfelds, nahmen die Schweizer den Schwung und die Dominanz aber auch in den zweiten Durchgang mit. Allen voran Blerim Dzemaili, der FCZ-Keeper Vanins zum 2:0 zuerst austanzte und dann ins leere Tor einschob. Der MLS-Söldner hätte sein Konto noch weiter aufstocken können, setzte einen weiteren Versuch aber an den Pfosten. Zu diesem Zeitpunkt führte die Nati ohnehin schon mit 3:0, da Ricardo Rodriguez einen weiteren Strafstoss eiskalt versenkt hatte.

Der Sieg hätte deutlich höher ausfallen müssen, am Ende aber feierten Xhaka und Co. einen weiteren ungefährdeten Erfolg. Mit Ungarn und vor allem Portugal hatte die Nati die zwei vermeintlich stärksten Gegner jedoch ausgerechnet auf das Ende der Kampagne hin noch vor der Brust.  

Spiel 9:
07.Oktober.2017:
Schweiz vs. Ungarn 5:2
Torschützen: 1:0 Xhaka (18.), 2:0 Frei (20.), 3:0 Zuber (43.), 4:0 Zuber (49.), 4:1 Guzmics (58.), 5:1 Lichtsteiner (83.), 5:2 Ugrai (89.)

Was für ein Gala-Auftritt der Schweizer Nationalmannschaft im Basler St. Jakob-Park?! Vor über 32,000 Fans frenetisch angefeuert, drückte die Nati von der ersten Minute an aufs Gaspedal. Sie benötigte in der 18. Minute aber dennoch die Mithilfe von Peter Gulacsi, um die Hausherren in Front zu bringen. Nur eine Zeigerumdrehung nach Xhakas Führungstreffer erhöhte dann Fabian Frei auf 2:0. Die Schweizer spielten sich nun in einen Rausch, welchen Steven Zuber kurz vor dem Seitenwechsel mit dem 3:0 krönte. Zu diesem Zeitpunkt stand es zwischen Portugal und Andorra übrigens noch 0:0. Es durfte geträumt werden! 

Angeführt von einem wirbligen Xherdan Shaqiri kam die Nati auch wieder torhungrig aus der Kabine. Es war erneut Steven Zuber, der mit seinem zweiten Treffer im roten Dress den Deckel drauf machte. In der Folge liess es das Heimteam etwas ruhiger angehen und wurde prompt dafür bestraft: Im Anschluss an eine Ecke netzte Guzmics zum 1:4 aus ungarischer Sicht ein. Eine Tempoverschärfung später aber stellte Kapitän Lichtsteiner den alten Vorsprung von vier Toren wieder her. Es war das dritte Tor für den Verteidiger in der laufenden Kampagne. Einzig ein Flop von Sommer in der Schlussminute trübte das Gesamtbild ein wenig. 

Aber egal! Mit dem neunten Sieg im neunten Qualifikationsspiel nahm die Nationalmannschaft Kurs auf Lissabon. Im Estádio da Luz wartete der Europameister auf die grosse Mannschaft aus dem kleinen Alpenland. Das Endspiel, das Finale um die direkte Teilnahme an der WM 2018 in Russland konnte steigen! 

Spiel 10:
10.Oktober.2017:
Portugal vs. Schweiz
Torschützen: 1:0 Djourou (41., ET), 2:0 A.Silva (56.)

Die Hoffnung auf den zehnten Sieg im zehnten Spiel, auf eine direkte WM-Qualifikation, ja, sogar auf einen weiteren Sieg gegen den amtierenden Europameister waren riesig. Im Estadio da Luz waren es dann aber die Portugiesen, die von der ersten Minute an Dampf machten und dem Spiel so ihren Stempel aufdrückten. Obschon man festhalten muss, dass die Führung des Favoriten äusserst glücklich und auch nicht wirklich zwingend zu Stande kam, war das Heimteam die bessere Mannschaft. Und dennoch: Nach 45 Minuten fehlte der Nati nur ein Treffer zum Gruppensieg.

Aus der Kabine kamen die Schweizer aber alles andere, als gewappnet. Es brachen die schlechtesten 20 Minuten der Kampagne an, in denen die Mannschaft von Vladimir Petkovic das 2:0 durch André Silva hinnehmen musste. Durch die Hereinnahmen von Embolo und Zuber entwickelten die Gäste zwar wieder etwas mehr Druck, der Anschlusstreffer wollte aber nicht fallen. Nach neun Siegen aus neun Partien war die Leistung im “Endspiel“ schlicht und einfach nicht gut genug, um den Europameister zu gefährden. 

Es ist zwar äusserst bitter, doch die Nati muss nach dieser Niederlage, trotz 27 Punkten, den Umweg über die Barrage nehmen. Dort wartet entweder Griechenland, Irland, Schweden oder Nordirland. Allesamt absolut schlagbar! 

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