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Die Tops und Flops der ersten National-League-Woche

Tigers mit Super-Finnen und Defensivschwäche, der erhoffte Königstransfer und ein Rüpel

Endlich läuft die National League in der Schweiz! Die ersten Runden sind bereits wieder Geschichte und die Teams haben die Karten nun auf den Tisch legen müssen.

Wer hat dabei überzeugt? Wer nicht? Wir liefern die Tops und Flops der NLA-Woche. 

TOP: Eero Elo und seine Landsmänner zaubern für die Tigers

Dass den SCL Tigers der Start in die neue Saison missglückt ist, liegt ganz sicher nicht an ihren Finnen. Das Trio Eero Elo, Antti Erkinjuntti und Ville Koistinen harmoniert ausgezeichnet und sorgt auch gegen prominente Defensiven wie diejenige des ZSC für mächtig Wirbel. Vor allem Eelo läuft dabei so richtig zur Hochform auf und führt mit drei Treffern und zwei Assists zusammen mit Viktor Stalberg die Topskorerliste an. Und auch Antti Erkinjunnti (ein Treffer und vier Assists) und Ville Koistinen (kein Treffer, vier Assists) haben schon fleissig geskort. Sollten die Tigers-Finnen ihre Teamkollegen also so mitreissen können, kann man den Langnauer noch einiges zutrauen.

TOP: Der SCB macht dort weiter, wo er aufgehört hat

Der SC Bern ist nicht zu bremsen. Nachdem die Mutzen als erstes Team seit langer Zeit den Titel auf souveräne Art und Weise verteidigen konnten, startete der SCB auch in dieser Saison nach Mass. In den ersten beiden Partien gegen Fribourg und Ambri liess die Mannschaft von Kari Jalonen nichts anbrennen und setzte sich zweimal durch. Mit sechs Punkten aus zwei Partien ist man nicht an der Tabellenspitze, aber das einzige Team, welches noch keine Punkte abgegeben hat.

Dabei kommen in diesen ersten beiden Runden vor allem zwei Tugenden zum Tragen. Die erste ist die defensive Sicherheit. Die Verteidigung ist sattelfest und mit Leonardo Genoni hat man den besten Torhüter der Liga – gegen den SC Bern zu Treffen wird auch dieses Jahr kein Kinderspiel, wie ein einziger Gegentreffer in zwei ersten Partien beweist.

Ausserdem ist die Mannschaft unheimlich ausgeglichen. Die Mutzen erzielten in dieser Saison schon sieben Treffer und dies, obwohl der letztjährige Topskorer Mark Arcobello noch nicht in Fahrt kam und punktelos ist. Sechs verschiedene Torschützen sorgten also stattdessen für die Treffer, einzig Tristan Scherwey konnte sich bereits zweimal feiern lassen.

TOP: Zuger Königstransfer Stalberg trifft und trifft

Viktor Stalberg kam mit extrem vielen Vorschusslorbeeren nach Zug. Ein Stanley-Cup-Sieg und fast 500 Partien in der NHL hatte der Schwede bereits auf dem Konto, doch waren die Erwartungen vielleicht etwas gar hoch? Nach drei Partien kann man getrost sagen: nein, waren sie nicht. Stalberg fügte sich schnell ins Zuger Ensemble ein und skorte von Anfang an munter. Im ersten Spiel gegen Davos erzielte der Schwede beide Treffer, gegen Lugano kam noch ein weiterer dazu. Mittlerweile steht Stalberg bereits bei fünf Skorerpunkten und hat so im Schnitt bei jedem zweiten Zuger Treffer den Stock im Spiel. Sollte der Schwede dieses Niveau halten können, wird man in der Zentralschweiz noch viel Freude an ihm haben können.

TOP: Ambri lebt!

Vor der Saison wird traditionell darüber spekuliert, welche Teams reif für die Playoffs sind und welche nicht. Dabei gehen die Meinungen teilweise weit auseinander, doch in einem Punkt waren sich die Experten einig: Der HC Ambri-Piotta wird die Playoffs verpassen. Das Team ist schlicht und einfach zu dünn besetzt, um zu den besten Teams der Schweiz zu gehören. Und wenn man nur auf die Punkteausbeute schaut, wird dies bereits bestätigt: Drei Punkte aus drei Partien sind zu wenig, um im Konzert der Besten mitzuspielen.

Schaut man sich die Leistungen der Leventiner allerdings etwas genauer an, merkt man, dass Ambri durchaus Positives gezeigt hat. Das Team von Neo-Coach Luca Cereda sorgte gleich im ersten Saisonspiel im Derby gegen Lugano für einen Coup und auch gegen die auf dem Papier überlegenen Davos und Bern hielt der HCAP durchaus mit und verlor nur knapp. 

Dabei konnte Ambri gleich in mehreren Bereichen überzeugen. Der neue Goalie Benjamin Conz zeigte bisher sein gutes Gesicht, die Mannschaft präsentierte sich als geschlossene Einheit und das Ausländerquartett rund um den in der letzten Saison viel gescholtenen Matt D’Agostini zeigte bisher sehr gute Einsätze. Kurzfristig ist der HCAP wohl noch nicht reif, doch gibt man diesem Projekt unter Cereda Zeit, könnte in der Leventina etwas Interessantes entstehen.

TOP: Geering, der Neo-Captain, Defensivchef und Skorer

Eine vieldiskutierte Personalie in der letzten Saison war Mathias Seger. Der Vertrag der ZSC-Legende wurde zwar am Ende für eine weitere Saison verlängert, doch auf diese Saison hin wurde Patrick Geering an Segers Stelle zum Captain ernannt. Geering, der aus dem ZSC-Nachwuchs stammt, musste somit in riesige Fussstapfen treten. Dies ist dem 27-Jährigen bisher aber ausgezeichnet gelungen. Geering nimmt sowohl auf als auch neben dem Eis eine wichtige Rolle ein und ist eine Stütze der Mannschaft geworden. Und mit dem „C“ auf der Brust scheint Geering auch skorermässig so richtig aufzublühen: Nach fünf Partien hat der Verteidiger bereits einen Treffer und vier Assists auf dem Konto. Damit ist er zweitbester Skorer bei den Lions und der offensiv erfolgreichste Verteidiger der ganzen Liga.

FLOP: Kloten immer nur nahe dran

Neue Saison, altes Bild beim EHC Kloten. Die mit wenig Kredit gestarteten Flughafenstädter blicken auf ernüchternde erste drei Spiele zurück. In allen drei Partien hielt das Team von Pekka Tirkkonen gut mit und war mindestens ebenbürtig, trotzdem ist man als einziges Team der ganzen Liga noch ohne Punktgewinn. So kassierten die Klotener gegen die bisherigen Gegner Biel (0:3), ZSC (2:4) und Lugano (2:3) knappe Niederlagen. Das grosse Problem der Zürcher war bisher die Offensive. Man kreierte zwar Chancen am Laufband, doch die Effizienz war bisher schlicht und einfach ungenügend. Wollen die Klotener nicht schon bald die Playoffs in die Ferne rücken sehen, muss man dringend an diesem Punkt arbeiten. 

FLOP: Helbling haut den Schiri um

Einer der grossen Aufreger der ersten Runde war Timo Helblings Check gegen den Schiedsrichter. In der Partie gegen Davos stiess der Verteidiger Ref Micha Hebeisen in den Rücken, weshalb dieser umfiel. Der Zuger beteuerte zwar im Interview nach dem Spiel, dass es keine Absicht gewesen sei und er „sehr überrascht“ wäre, sollte diese Szene Konsequenzen mit sich tragen, trotzdem ist es logisch, dass Helbling für diese Aktion bestraft wurde. Sechs Partien muss der Verteidiger nun zusehen und wird damit kaum hat die Saison begonnen zu einer unnötigen Pause bezwungen. Eine Aktion also, die niemandem etwas gebracht und allen geschadet hat.

FLOP: Tigers-Defensive wackelt trotz Ehlers gewaltig

Eigentlich ist Heinz Ehlers, Trainer der SCL Tigers, ja für sein Defensivhockey bekannt. Als er noch Trainer bei Lausanne war, zelebrierte der Däne dieses Defensivhockey richtig, was das Spiel der Waadtländer nicht besonders anschaulich, dafür aber erfolgreich machte. Nun steht Heinz Ehlers in Langnau an der Bande und kurioserweise ist bei den Tigers ausgerechnet in der Defensive der Wurm drin. Während vorne die zuvor erwähnten Finnen für Furore sorgen, ist die Verteidigung der Langnauer alles andere als stabil und mit bereits 15 Gegentoren aus drei Partien die mit Abstand schwächste der Liga. Ein gravierendes Handicap, das schon zweimal dazu führte, dass die Tigers eine komfortable Führung und somit Punkte aus der Hand geben mussten. Sollte sich dies nicht bald ändern, werden Siege zur Mission Impossible.

FLOP: Tanner Richard noch nicht in der NL angekommen

Auf diese Saison hin wechselten einige interessante Spieler in die National League. Einer davon ist Tanner Richard. Der Center wurde 2012 von den Tampa Bay Lightning gedraftet und spielte seit 2011 in Nordamerika. Den Sprung in die NHL schaffte der Stürmer zwar nicht endgültig, doch in der AHL vermochte Richard mit 146 Punkten in 261 Spielen durchaus zu überzeugen. Nicht umsonst wurde Richard in diesem Jahr von Nati-Trainer Patrick Fischer für die WM aufgeboten.

Nun bestreitet Richard seine erste ganze Saison in der National League, doch der Start ist dem Center nicht geglückt. Die Erwartungen an den Nationalspieler waren gross und diese konnte er bisher noch nicht erfüllen. So hat der 24-Jährige nach drei Partien noch keinen einzigen Skorerpunkt auf dem Konto und mit Genf einen eher durchzogenen Saisonstart hinter sich. Natürlich muss man Richard noch Zeit geben, bis man ihn korrekt bewerten kann, trotzdem zählt er zu den Enttäuschungen dieser ersten Runden.

FLOP: Lausanner Grossangriff bleibt auf dem Eis bisher aus

Der Lausanne HC rüstete in diesem Sommer mächtig auf. Mit Sandro Zurkirchen schnappen sich die Waadtländer den Stammgoalie von Ligakonkurrent Ambri und auch Joel Vermin ist sicherlich ein äusserst interessanter Transfer. Nach der starken Regular Season im letzten Jahr und dem zusätzlich verstärkten Kader rechneten also einige mit einem starken Saisonstart Lausannes. Dieser blieb bisher aber noch aus. Die Waadtländer haben zwar erst zwei Spiele bestritten, doch in diesen machte der LHC keine gute Figur. Vor allem beim Startspiel gegen Genf wirkte Lausanne noch unorganisiert, man konnte keine klare Struktur erkennen. Und bei der Niederlage nach Verlängerung in Zug war das Offensivspiel zwar um einiges konkreter, doch die fünf kassierten Gegentore zeigen, dass die Arbeit noch lange nicht zu Ende ist. Wollen die Lausanner ihre starke Vorsaison also bestätigen, muss man sich noch deutlich steigern.

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