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Bayern, Bern, Yankees, Warriors....

Was zeichnet erfolgreiche Teams aus?

Im Spitzensport gewinnen in der Regel diejenigen Teams mit den besten Spielern. Allen esoterisch angehauchten und trivialpsychologisch untermauerten Theorien zum Trotz: Dies ist zu ca. 80% die unspektakuläre Wahrheit. Real Madrid, Barcelona, Bayern München, FC Basel, SC Bern, ZSC Lions, SKA St. Petersburg, New York Yankees, Golden State Warriors, Cleveland Cavaliers… diese Teams dominieren weil sie die besten Spieler in ihren Reihen wissen und nicht weil sie die beste Teamchemie oder den besten Teamzusammenhalt vorweisen können. Dies ist aber nicht Thema dieser Kolumne denn im heutigen Spitzensport entscheiden zwischen zwei mehr oder weniger gleichwertig besetzten Mannschaften oft Details und eine gewinnbringende Teamkultur ist zweifelsohne ein wichtiges Detail.

Die gute Nachricht ist, dass man für Teamzusammenhalt, für eine Gewinner-Kultur, für erfolgversprechende Teambildung nur unbedeutend Geld benötigt. Alle: Kleine und grosse Firmen, reiche und so genannte „Low Budget Sportteams“ können sich diesbezüglich profilieren und die potenziellen 20% ausreizen.

Für mich gibt es 5 Erfolgsfaktoren die zu erfolgreichen Teams führen:

1. Sicherheit

Dies ist der wichtigste Faktor. Damit ist psychologische Sicherheit gemeint. Ist es für die Teammitglieder möglich, sich gegenüber anderen Teammitgliedern und gegenüber den Vorgesetzten, den Coaches zu exponieren? Müssen sie bei kritischen Kommentaren, Einwendungen mit Blamage oder Bestrafung rechnen? Falls nicht dann legen wir das Fundament für kreative Ideen, für kritische Fragen, für Hinweise auf mögliche Gefahren oder Probleme. Wenn wir es schaffen, eine derart offene Diskussions- Streit- und Zusammenarbeitskultur zu bilden dann schaffen wir einen echten Wettbewerbsvorteil.

2. Motivation

Sind bezahlte Spieler, bezahlte Angestellte, automatisch motiviert? Nein, sie funktionieren lediglich aber die wichtigen Extra-10% an Leistungsfähigkeit erreichen wir nur wenn wir über die Haarspitzen hinaus motiviert sind. Wir aber haben die Aufgabe, motivierte und nicht nur funktionierende Angestellte für das eigenen Team zu rekrutieren). Motivierte Menschen setzen für sich persönlich hohe Ziele und erwarten dies auch von den anderen Teammitgliedern. Sie zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie viele kleine Dinge tun die vordergründig kaum beachtet werden (können). Stichworte hierzu: Genügend Schlaf, freiwillige Zusatzweiterbildung -trainings, dem neuen ausländischen Teammitglied in den ersten Wochen Unterstützung zur Integration anbieten, Pünktlichkeit, sich um junge und um problembehaftete Spieler kümmern. Feedback der Vorgesetzten und der Assistenzcoaches positiv aufnehmen, ja sogar einfordern.

3. Vorbildfunktion

Wenn ich als Vorgesetzter oder als Coach von meinen Teammitgliedern ein wie unter Punkt 2 erwartetes Verhalten verlange und dabei selbst anders handle dann habe ich die Teammitglieder verloren. Als Führender benötigt man Folgende und wenn ich mich als Führender selbst nicht vorbildlich verhalte dann verliere ich die Folgenden. Wenn ich als Hockey-Coach von meinen Mitspielern verlange, keine dummen Strafen zu nehmen, um dann persönlich wegen Schiedsrichterreklamationen meinem Team zu schaden, dann fällt all das schöne Gerede wie ein Kartenhaus zusammen.

4. Berechenbarkeit

Die vorgelebte und verlangte Kultur und das entsprechende Benehmen müssen bis zu einem gewissen Grad stabil sein und langfristig gelebt werden. Kurzfristige Strategiewechsel, zu viele schnelle Wechsel in der Chefetage – dies alles ist Gift für die Teambildung. Die Mitglieder müssen sich zudem auch darauf verlassen können, dass andere im Team die Tugenden die von mir erwartet werden ebenfalls leben. Die Berechenbarkeit gilt auch für gesetzte Ziele die klar sein müssen und auch so abgesteckt, dass sie den eigenen Stärken entsprechen.

5. Die richtigen Teammitglieder finden und rekrutieren

Dies ist der aufwändigste und schwierigste Punkt dieser 5 Erfolgsfaktoren. Für die Mitarbeiterauswahl, die Auswahl von Spielern gibt es kaum psychologische Techniken und/oder Tests die „wasserdichte“ Resultate liefern, um die gewollten Persönlichkeitsprofile auswählen zu können. Wir Menschen sind zu komplex, als dass wir uns durch Diagnostikinstrumente fehlerfrei durchleuchten lassen. Dies bedeutet, die richtige Auswahl von Teammitgliedern ist ein immerwährender Prozess zu dem auch Trennungen gehören. Coaches werden manchmal ohne grosses Resultatdefizit gefeuert, Spieler werden für vordergründig geringen Gegenwert getradet. Dies können Indizien dafür sein, dass sie nicht zur gewünschten Teamkultur passen. Wenn wir eine gewinnbringende Teamkultur anstreben dann müssen wir bei Fehlverhalten auch den Mut für Trennungen aufbringen.

 

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich ist er als CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden tätig. Thomas leistet sich eine eigene Meinung und freut sich immer sehr über Reaktionen zu seinen Beiträgen die zur Diskussion Anlass geben sollen. Er pflegt auch mit viel Spass seinen Twitter-Account @thomasroost.

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