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Die Analyse zur unheimlichen Vorstellung des Spaniers

Gibt es gegen eine solche Dominanz überhaupt eine Taktik?

Ganze sechs Games gestand der unbestrittene Sandkönig Rafael Nadal Stan Wawrinka im Final der French Open zu. Was für eine Leistung des Spaniers gegen einen Schweizer, der nicht eben schlecht spielte. Wie holte sich Nadal die historische 10. Krone in Paris? Und warum konnte Wawrinka sein gewohntes Powertennis nicht aufziehen?

Ein letztes Mal an diesen French Open schauen wir zurück auf das Match und klären dabei die folgenden Fragen:

  • Was hat uns gefallen?
  • Was hat uns nicht gefallen?
  • Was war die grösste Überraschung?
  • Was war der grösste Aufreger?

Das hat uns gefallen:
– es lag nicht an Stan
– die Verteidigungsarbeit
– das ganze Turnier Wawrinkas

Stan Wawrinka hat es versucht. Mehr lag heute einfach nicht drin. Er spielte kein grundsätzlich schlechtes Match, aber Nadal war nunmal in allen Belangen mindestens eine Klasse besser als alle anderen an diesem Turnier. Der Letzte, der dies zu spüren bekam, war der klar zweitbeste Spieler der French Open 2017 – und selbst der wurde zum Statisten degradiert. 

Während die Offensive Wawrinkas heute weitgehend wirkungslos blieb, konnte er sich aber zumindest in der Verteidigung hin und wieder auszeichnen. Auch wenn Nadal heute einfach zu stark war: extrem einfach machte ihm Stan die Sache gar nicht, der Spanier wusste einfach immer die bessere Antwort. 

Und abgesehen von dieser Niederlage, waren es extrem gute zwei Wochen für den Schweizer. Er fand endlich zu seiner Form, der er in den letzten Monaten zu lange hinterhergelaufen war. Ausserdem: mit der Finalteilnahme zieht er erstmals in seiner Karriere an Novak Djokovic vorbei. Er bleibt zwar die Weltnummer 3, weil Nadal gleich beide überholt, ist aber an der Weltspitze so nahe dran, wie schon lange nicht mehr.

Das hat uns nicht gefallen:
– Nadal war „in the zone“
– zu viele Unforced Errors
– die fehlende Länge

Dass heute Stan Wawrinkas Spiel nicht wie gewohnt funktioniert hat, war, das ist klar, auch zum grossen Teil der Verdienst von Rafael Nadal, dem einfach nichts misslang. Er verteidigte sich exzellent, wenn Wawrinka Druck entwickelte, spielte dabei aber die Bälle nicht nur einfach zurück, sondern mit einer beinahe unglaublichen Länge an die Grundlinie, selbst wenn er den Ball Wawrinkas nur noch ganz knapp erreichte. 

Dass der Schweizer dabei selbst kaum Länge zu entwickeln vermochte, war deswegen kein Wunder. Wenn der Gegner einem so hinten festnagelt, ist es ungemein schwer, selber mit guter Länge zu spielen. Ausserdem: der Topspin des Spaniers war wieder einmal Extraklasse. Das war der wesentliche Unterschied zum Spiel gegen Murray: der Schotte brachte zwar viel zurück, aber die unglaubliche Länge Nadals erreichte er nicht. Deshalb schlug Wawrinka nur 19 Winner bei 27 Unforced Errors. 

Gefallen hat uns das natürlich nicht – aber da war kaum etwas, das Wawrinka hätte machen können.

Das hat uns überrascht:
– dass Nadal dieses Niveau über drei Sätze halten konnte

Wer so gut spielt, wie Rafael Nadal, bricht nach einer gewissen Zeit normalerweise zumindest ein wenig ein. Der Spanier dachte aber gar nicht daran, schlechter zu werden. Im Gegenteil. Er begann zuerst etwas schwach, legte dann aber zu und hielt dann sein Niveau bis zum Ende des Spiels. Im dritten Satz unterlief ihm genau ein unerzwungener Fehler, dabei schlug er neun Winner. So eine Leistung ist absolut aussergewöhnlich und unheimlich stark.

Der Aufreger des Spiels:
– der zusammengelegte Schläger

Beim Stand von 2:5, 15:30 im ersten Satz kam Stan schnell unter Druck, verteidigte sich aber exzellent und konnte Nadal, der am Netz stand, in Schwierigkeiten bringen. Der Mallorquiner konnte behelfsmässig einen Volley übers Netz schieben, den Wawrinka locker erlaufen konnte – und verschlug ihn. Daraufhin regte sich der Schweizer dermassen auf, dass er seinen Schläger auf den Boden schmetterte und fachgerecht zusammenlegte. Zwar konnte er nochmals auf 30:30 herankommen, aber das reichte nicht mehr. Kurz darauf ging der 1. Satz mit 2:6 verloren.

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