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Humanitäre Arbeit statt Stress und Frust

Wegen Trump? “Protest-Quarterback“ Kaepernick noch immer ohne Job

Colin Kaepernick spaltete im vergangenen Herbst mit seinem Nationalhymnen-Protest die USA. Seit Anfang März ist der 29-jährige Quarterback nach der Vertragsauflösung mit den San Francisco 49ers nun auf Vereinssuche – bisher ohne Erfolg.

In den US-Amerikanischen Medien kamen in den letzten Tagen brisante Spekulationen auf, wonach unter anderem auch der Einfluss von US-Präsident Donald Trump ein neues NFL-Engagement von Kaepernick verhindern soll.

Vertragsauflösung bei den Niners und geplatzte Verhandlungen

Im Herbst 2012 ging der Stern von Kaepernick auf. Der mittlerweile 29-Jährige sprang bei den San Francisco 49ers für den verletzten Alex Smith ein und führte die Kalifornier auf spektakuläre Art und Weise bis in den Superbowl XLVII., wo die Niners aber in einem epischen Endspiel inklusive Stromausfall mit 31:34 an den Baltimore Ravens scheiterten. In der Folge warfen Verletzungen, schlechte Entscheidungen, jährliche Trainerwechsel und zahlreiche Abgänge von Leistungsträgern den laufstarken Quarterback und die Traditions-Franchise jedoch immer wieder zurück.

Vielleicht sollte er gehen und sich nach einem Land umsehen, das besser zu ihm passt

Erst in der vergangenen Spielzeit fand Kaepernick – trotz mangelnder Qualität im Team – teilweise zu alter Stärke zurück und warf 16 Touchdowns bei nur 4 Interceptions. Vor einigen Wochen löste der Mann aus Milwaukee seinen Kontrakt bei den 49ers auf, um den Free-Agent-Markt zu testen. „Kap“ soll darauf kurz vor einer Vertragsunterschrift bei den New York Jets oder Cleveland Browns gestanden haben – die Verhandlungen führten aber am Ende zu keinem Happy End.

Anonymer GM: „Organisationen haben Angst vor Trump“

Wie ein General Manager der AFC, der verständlicherweise anonym bleiben möchte, am Wochenende verlauten liess, könnte kein Geringerer als Präsident Trump ein wichtiger Grund für die Absagen an den Ex-49ers-Quarterback sein: „Viele Organisationen haben Angst davor, auf Twitter von Trump angegriffen zu werden, sollten sie Kaepernick einstellen“, erklärte der GM. Der Grund: „Kap“ sorgte im vergangenen Herbst für Aufsehen, als er vor den Spielen jeweils die Nationalhymne boykottierte – der ehemalige Superbowl-Teilnehmer blieb sitzen oder kniete ab, was im patriotischen Amerika für heftige Debatten und viel Unverständnis gesorgt hat.

„Ich werde mich nicht hinstellen und stolz auf eine Flagge sein, die für ein Land steht, das Schwarze und andere Minderheiten unterdrückt“, rechtfertigte Kaepernick seine Einstellung. Der damalige Präsidentschaftskandidat Trump ging darauf auf Anhieb auf Konfrontations-Kurs und twitterte: „Das ist eine schreckliche Sache. Vielleicht sollte er gehen und sich nach einem Land umsehen, das besser zu ihm passt.“

Humanitäre Hilfe für Somalia

Die fehlende sportliche Konstanz scheint also nicht der Hauptgrund dafür zu sein, dass Kaepernick sich noch immer auf Klubsuche befindet. Ein Grossteil der 32 NFL-Franchisen kommt ganz einfach nicht mit der politischen Einstellung des 29-Jährigen klar und fürchtet sich einerseits vor der allfälligen Reaktion von Trump, aber auch vor möglichen Protesten der eigenen Anhängerschaft. Das letzte Team des talentierten Spielmachers – die San Francisco 49ers – sehen das Ganze etwas lockerer: „Ich kann eine Rückkehr von Colin nicht ausschliessen, wir wissen um seine Qualitäten“, meinte der frischgebackene Niners-GM John Lynch am Freitag.

Kaepernick selber lässt sich derweil von seiner Arbeitslosigkeit nicht aus der Ruhe bringen und hat mit diversen humanitären Projekten alle Hände voll zu tun. Erst am Samstag gelang es dem 29-Jährigen, die Turkish Airlines zu überzeugen, ein Flugzeug für den Transport von Wasser, Kleidung und Nahrung nach Somalia zur Verfügung zu stellen.

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