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Darum bodigte Lugano den ZSC

Die Löwentöter: Von vorne bis hinten besser

Zum zweiten Mal in Folge haben es die ZSC Lions als Favorit nicht ins Playoff-Halbfinal geschafft. Was war das Geheimrezept des HC Lugano, die die Zürcher aus dem Playoff geworfen haben?

Natürlich haben die Lions auch Pech gehabt: Robert Nilsson fällt schon im ersten Spiel aus, die Zürcher haben Pfostenschüsse und glückliche Tore des Gegners zu beklagen, im sechsten Spiel zählt der Ausgleich nicht, weil das Spiel bereits unterbrochen ist. Doch dasselbe kann man auch über Lugano sagen: Damien Brunners Saison geht ebenfalls in der ersten Runde zu Ende, Gregory Hofmann trifft gleich dreimal die Latte, der Unterbruch in Spiel 6 zählt völlig zu Recht nicht. Was hat in dieser unglaublich engen Serie den Sieg für Lugano gebracht?

1. Der bessere Goalie

Elvis Merzlikins war in dieser Serie eine prägende Figur. Der Lette zeigt sich in der Viertelfinalserie als ganz grosser Goalie, nur in Spiel 1 muss er sich etwas kritisieren lassen. Die ZSC Lions haben in fast jedem Spiel mehr Schüsse aufs Tor zu verzeichnen, sie sind optisch stets das stärkere Team der Serie. Aber wie eine Wand steht Merzlikins im Tor und macht Save um Save. Seine Fanghand bringt die Lions zur Verzweiflung und er schlägt im direkten Duell sowohl Niklas Schlegel als auch Lukas Flüeler.

2. Geblockte Schüsse

Immer wieder liegen die Spieler des HC Lugano in die Schüsse der Gegner, was bei Gegnern wie David Rundblad und Parick Geering eine gehörige Portion Mut verlangt. Aber die Bianconeri haben genau diese Portion Mut und Aufopferung in die Serie mitgebracht. Mal um mal ziehen die Zürcher ab, als sie sich gegen die Niederlage stemmen – und mal für mal bleibt die Scheibe zwischen den Beinen oder an der Brust eines Luganesi hängen. Auch die Stürmer der Tessiner werfen sich in jeden Schuss und arbeiten konzentriert nach hinten, was letztendlich den Unterschied ausmacht.

3. Julien Vauclair

Der Verteidiger mit Bart ist eine weitere prägende Figur des HC Lugano. In Spiel 1 ist er es, der Lugano gegen Ende eines völlig missratenen Drittels mit dem Ausgleich im Spiel hält. Danach muss er drei Spiele aussetzen, weil er Inti Pestoni mit einem Ellbogencheck am Kopf erwischt. Als er zurückkehrt, trifft er im Hallenstadion doppelt und schiesst Lugano im Alleingang zum einzigen Break der Serie. Auch im sechsten Spiel trifft „Julio“ wieder, und erneut ist es ein unglaublich wichtiges Tor. Nach einer Quali mit nur einem Treffer erzielt er in drei Playoff-Spielen vier Punkte. Genau solche Leistungssteigerungen braucht es, um im Playoff Erfolg zu haben.

4. Die grössere Effizienz

Lugano ist oftmals tödlich effizient – neben Merzlikins‘ Stärke der zweite Grund, warum der HCL trotz weniger Chancen gewinnt. Ein Beispiel dafür sehen wir im Spiel 6, als Lugano ein Drittel lang an die Wand gespielt wird und mit seiner ersten grösseren Möglichkeit gleich in Führung geht. Kurz darauf erzielen die Bianconeri das 2:0 und damit bereits die Vorentscheidung. Auch in der ersten Partie erzielt Lugano aus dem Nichts heraus ein Tor, während die Lions Chance um Chance vergeben und letztendlich den Preis dafür bezahlen.

5. Mentale Stärke

Der HC Lugano hat über die Playoffs bewiesen, dass er mental besser bereit war als die Zürcher. Der ZSC wirkt nach dem 2:0 am Donnerstag bereits geschlagen, das Aufbäumen im dritten Drittel ist erstens spät und zweitens bestenfalls eine Pflichtübung. Dagegen steht ein HC Lugano, der sich im ersten Spiel sogar bei einem Stand von 4:1 noch beinahe zurückkämpft und bis auf ein Tor herankommt. Lugano ist konstanter und behält auch in Rücklage die Ruhe, während sich beim ZSC Patrick Thoresen und Severin Blindenbacher zu dummen Fouls hinreissen lassen und dafür beide gesperrt werden. Die grössere mentale Stärke ist es letztendlich wohl, die diese Serie zumindest mitentscheidet.

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