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Ein paar Worte zum Spielstil von Genf-Servette

Chris McSorley und der “radikale Pragmatismus“

Der Hockeyklub vom Genfersee scheint in der Playoff-Viertelfinalserie immer mal wieder übers Ziel hinauszuschiessen. Sind die Westschweizer ansonsten für ihr zielgerichtetes und körperlich hartes – aber faires – Spiel bekannt, so glich das Auftreten in den letzten beiden Partien eher der Darbietung eines unterlegenen Amateurteams. 

Dies ist aber nur bedingt der Fall. Denn auch hinter diesen, im ersten Moment kopflos erscheinenden Auftritten, ist die Handschrift von Chris McSorley klar zu erkennen. Der Kanadische Coach steht für ein kompromissloses, aggressives und pragmatisches Hockey. Wenn es sein muss, werden die Scheiben aus der neutralen Zone auf den gegnerischen Keeper gefeuert. 

Alles Anweisungen des Genfer Coaches, egal wie unorthodox oder unfair sie erscheinen mögen, sind dem höheren Zweck untergeordnet. Jeder taktische Kniff von McSorley ist darauf hingerichtet, sich einen Vorteil zu schaffen. Ob dieser nun in der Stärkung der eigenen oder in der Schwächung des gegnerischen Teams besteht, ist dem pragmatisch denkenden Trainer eigentlich egal. 

Das Ausschalten von Schlüsselspielern als Mittel zum Sieg?

Was aber, wenn sich dieser Pragmatismus plötzlich radikalisiert? Wenn die Genfer nämlich plötzlich mit vier Toren im Rückstand liegen und nur noch ein Drittel zu spielen ist, macht es dann wirklich rational noch Sinn, die letzten Kräfte zu mobilisieren und den beinahe unmöglichen Sieg anzustreben? Oder ist es in diesem Falle tatsächlich sinnvoller, sich im Hinblick auf die nächsten Partien einen Vorteil zu verschaffen?

Die Wahrheit bei den Servettiens liegt wohl eher in der zweiten Option! Wie ist es sonst zu erklären, dass die Schlussminuten der letzten beiden Duelle von Genfer Angriffen auf den Mann gekennzeichnet waren, die wohl dazu hätten führen sollen, dass wichtige Zuger Leistungsträger ausfallen? Senteler hätte ein Opfer von Vukovic werden können und Lino Martschini wurde am Donnerstag zwei Minuten vor Spielende von Bezina richtig übel in die Bande gecheckt.

Die Mannschaft als Spiegelbild des Trainers 

In beiden genannten Fällen kam es glücklicherweise zu keinen ernsthaften Verletzungen. Josh Holden aber, der Siegtorschütze aus Spiel eins, verpasste das dritte Duell aufgrund eines Stockschlags und der daraus resultierenden Verletzung. Hier ist die beabsichtigte Schwächung des Gegners also bereits Tatsache geworden. Absicht will ich den Genfern aber nur bedingt unterstellen – viel mehr ist dieses Verhalten eine konsequente und radikale Weiterführung des pragmatischen Denkens von Chris McSorley!

Der Kanadier ist in dieser Hinsicht nämlich ein Spiegelbild seiner Mannschaft (oder umgekehrt). Die unkontrollierbare Wut, der unbedingte Wille zum Sieg und die pure Lust an der Provokation – Das alles zeichnet sowohl den Genfer Coach, als auch sein Team aus! Dass aufgrund dieser Eigenschaften das Fairplay oft auf der Strecke bleibt, scheint Coach und Spieler nicht gross zu jucken. Und auch negative Effekte nimmt man dabei gerne in Kauf, kassierte McSorley selbst doch schon zwei Strafen!

Ohne Erfolg wird es eng für McSorley

Für den Rest der Hockeywelt mag dieses Auftreten unverständlich sein. Nicht nur die Teleclub-Experten Morgan Samuelsson und Kent Ruhnke hatten für die Spielweise der Servettiens keine lobenden Worte übrig. Und ganz ehrlich: Auch wir sind davon alles andere als begeistert. Solange die Westschweizer aber Erfolge, wie die Qualifikation für die Playoffs oder die Cup-Finalteilnahme, vorweisen können, gibt es am Genfersee keinen Grund für einen Wechsel des Stils oder dem damit verbundenen Trainerwechsel. Chris McSorley wird seinen ''radikalen Pragmatismus'' also noch eine Weile praktizieren dürfen!

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