Interview mit David Jansson (Nationaltrainer Herren)

“Unsere Chance besteht darin, kontrolliertes Chaos zu kreieren!“

Vom Samstag 3. Dezember bis am Sonntag dem 11. Dezember findet in Riga die Unihockey-Weltmeisterschaft der Herren statt. Mittendrin ist auch die Schweiz, welche durchaus berechtigte Hoffnungen auf eine Goldmedaille hat.

Trainer David Jansson will mit der Mannschaft so richtig angreifen und den Favoriten ein Bein stellen.

SPORTAL: David Jansson, die Favoriten sind an der WM wie immer ein bisschen die selben. Dazu gehört bei den Damen und bei den Herren auch ein bisschen die Schweiz. Wo siehst du eure Möglichkeiten?

David Jansson: Ich sehe, dass wir uns als Mannschaft in den letzten zwei Jahren sehr gut entwickelt haben. Der Glauben, dass wir etwas erreichen können ist wirklich da und auch die Top-Nationen Schweden, Finnland und Tschechien haben begriffen, dass man gegen die Schweiz nicht mehr einfach so gewinnt. An einem guten Tag haben wir Riesenpotenzial, dann müssen die anderen wirklich aufpassen! Vor zwei Jahren hatte ich noch das Gefühl, dass auch eine sehr gute Leistung nicht genug gewesen wäre.

Ist der Unterschied also kleiner geworden?

Ich finde schon ja, wir haben mehr Fortschritte gemacht als die anderen Top-Nationen und dies spüren die anderen auch. Wir brauchen jedoch immer noch den Jackpot und eine sehr gute Leistung von allen Feldspielern und den Goalies gleichzeitig, um zu gewinnen. Aber inzwischen ist ein Sieg möglich geworden und das spüren die anderen Mannschaften auch.

Mit den Gruppengegnern Finnland, Estland und Deutschland könnte man fast annehmen, dass ihr schon für die K.O.-Phase qualifiziert seid? Gerade Estland und Deutschland sind keine grossen Unihockey-Nationen. Wie viel fehlt ihnen noch zur Weltspitze?

Das finde ich nicht. Man kann so überhaupt nicht denken, aber es ist natürlich klar, dass es machbar sein sollte. Gleichzeitig finden wir es realistisch, dass wir gegen alle drei Gruppengegner gewinnen können. Von der Qualität her fehlt Estland und Deutschland natürlich schon noch etwas, aber in einem Unihockey-Spiel ist alles möglich. Deutschland beispielsweise wurde vor vier Jahren Vierter und deshalb sind wir nicht in einer Position, wo wir einen Gegner unterschätzen können.

Gegen die Schweiz gewinnt man nicht mehr einfach so

Der Unterschied zu Schweden und Finnland ist also kleiner geworden. Würdest du vor einer Partie gegen Schweden also sagen, dass ihr sie schlagen könnt?

Ja unbedingt, wir glauben daran und müssen dies natürlich auch tun, aber es ist schon machbar an einem guten Tag. Schweden hat eine fantastische Mannschaft, Finnland und Tschechien auch, wir sind aber schon näher herangekommen.

Welche Mannschaft ist für dich der Favorit auf Gold?

Ich sehe Schweden als die beste Mannschaft, aber taktisch sind ihnen die Finnen ein wenig überlegen. Sie haben zuletzt viele gute Dinge gegen Schweden gezeigt. Schweden ist jedoch ohne Frage noch das beste Team.

Wenn man jetzt unsere Herren-NLA mit der schwedischen und der finnischen Liga vergleicht. Wie steht unsere Liga gegenüber den beiden Top-Ligen da?

Sie ist sicherlich immer noch die drittbeste Liga der Welt, aber sie wird im Vergleich besser und besser. Die Entwicklung momentan finde ich als Zuschauer sehr positiv. Ich beobachte viele schwedische Teams, ein paar finnische Mannschaften und sehe natürlich viele Spiele in der Schweiz. Mein Gefühl ist, dass wir auch dort immer näher und näher kommen. Vor allem wird hier viel dynamischer gespielt, auch wenn dies manchmal schlechtere Entscheidungen mit sich zieht. Von der Unterhaltung her sehe ich persönlich viel lieber ein Spiel der NLA und wenn es langfristig so weitergeht, dann ist das für uns in der Schweiz natürlich ein grosser Vorteil. 

Im Aufgebot der Schweizer Nati stehen einzelne Schweden-Söldner, wie wichtig sind diese Spieler für das Team?

Sie werden sicherlich ihre Wichtigkeit haben, man nominiert zwar 18 Feldspieler und 2 Torhüter, da sind ja quasi alle wichtig, aber ein Spieler wie Nicola Bischofsberger zum Beispiel zeigt keinen Respekt gegen die Topgegner. Dann haben wir noch Nico Scalvinoni, mit seiner Unberechenbarkeit und Manuel Engel, der den Durchbruch schaffte und bei Växjö, der zweitbesten Klubmannschaft der Welt, immer in zwei Linien spielt und dort auch Assistenzcaptain ist. Dies hat sicherlich eine Bedeutung, aber wenn wir die Anzahl Söldner vergleichen, dann haben die Tschechen ja noch mehr Spieler, die sich in Schweden durchsetzen. Für uns gibt es dort in dem Fall noch viel Luft nach oben.

Bei den Spielern die du am Ende ausgewählt hast, welche Voraussetzungen oder Anforderungen haben für diese Spieler gesprochen?

Wir haben Spieler nominiert mit Spitzen-Skills, wo es an einem guten Tag sehr gut für uns laufen kann. Es war uns sehr wichtig, dass unser höchstes Niveau sehr hoch ist. Ich bin der Meinung, dass unser Leistungsvermögen so sein muss, dass wenn alles klappt, wir den Jackpot holen können und es für uns machbar ist, zu gewinnen.

Wenn du dann die Linien zusammenstellst, schaust du da drauf, ob die Spieler vom gleichen Verein kommen oder auf ihre Art Unihockey zu spielen?

Es gibt immer eine gewisse Chemie, die wichtig sein kann, manchmal will man 2 oder 3 Spieler von einem Klub zusammen haben. Für uns ist am Wichtigsten, dass wir verschiedene Identitäten haben. Spielen wir zum Beispiel gegen Schweden und wir spielen das gleiche System wie sie, dann hätten wir wahrscheinlich keine Chance. Unsere Chance besteht darin, kontrolliertes Chaos zu kreieren und das machen wir auch taktisch mit den Identitäten unserer Linien. 

Deshalb machen die genauen Positionen einfach keinen Sinn

Wie sieht es zwischen den Spielen oder auch während einer Partie aus, stellst du das System manchmal auch um? 

Es kann schon sein, dass wir ein bisschen umstellen. Wir werden teilweise in den Linien auf gewissen Positionen einen Konkurrenzkampf haben, dort könnte sich schon mal etwas verändern. Wir haben auch ein paar Backup-Pläne im Kopf, die wir während den letzten zwei Jahren probiert haben. Sachen wie Powerplay und Boxplay werden wir sicher umstellen, es kommt aber immer drauf an, was die Gegner machen werden.

Du bist kein Fan von festen Positionen wegen der Dynamik im Team. Wie hast du das genau gemeint?

Man nennt beispielsweise die Spieler die im Spielaufbau am meisten Ballbesitz haben Verteidiger, doch für mich sind diese Akteure die wichtigsten Offensivspieler. Wenn wir von hinten mit den Verteidigern gut Druck machen können, wird auf der anderen Seite auch unsere Offensive besser aussehen. Und so auch umgekehrt, wenn man ohne Ball verteidigt, sind die beiden Stürmer die wichtigsten Defensivspieler. Falls sie den Gegner gut unter Druck setzen können, dann haben wir gegen hinten bessere Voraussetzungen. Deshalb machen die genauen Positionen einfach keinen Sinn. 

Muss in dem Fall jeder Spieler jede Position spielen können?

Nein nicht wirklich, dass wäre vielleicht zu viel verlangt, aber vor allem die Namen finde ich so komisch. Auf dem Feld sieht es nie so aus, aber wir haben schon ein paar Spieler die verschiedene Positionen spielen können.

Dann hast du dich für ein Captainteam entschieden und nicht für einen einzelnen Leader. Was ist die Überlegung dahinter?

Wir haben schon am Anfang herausgefunden, dass es früher einfach war gegen die Schweiz zu gewinnen, weil sie zu wenig Führungsqualitäten hatte. Man hat zu viel von einem oder zwei Spielern erwartet. Wir denken jedoch, dass wir sehr viele Leader brauchen. Mein Gefühl ist, wir brauchen die drei Captains und es ist ein wenig altmodisch zu sagen, dass man nur einen Kapitän und Leader hat. 

Du hast deinen Vertrag bis im Frühjahr 2019 verlängert, dachte man dabei auch schon ein wenig weiter als nur an diese WM?

Es ist schon ein bisschen eine andere Voraussetzung vier Jahre zu haben, weil wir jetzt eine WM spielen und danach schauen können was wir richtig und falsch gemacht haben. So können wir uns weiterentwickeln und Erfahrungen mitnehmen. Klar habe ich auch Sachen im Kopf, die ich bis jetzt nicht gemacht habe, weil ich zu wenig Zeit hatte. Es macht deshalb wirklich Sinn und ich bin froh, dass ich noch zwei Jahre in der Schweiz bleiben darf. 

Wenn ihr mehr über David Jansson und die Weltmeisterschaft in Riga erfahren wollt, dann schaltet am Donnerstag 1. Dezember um 19.00 Uhr „The Floorball Show“ auf SPORTAL HD ein! Reinschauen lohnt sich…

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