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5 Spieler - 5 Geschichten

Kuss-Kokain-Story, unwissende Journalisten & ein eiserner Wille

Am kommenden Montag ist es endlich soweit: Die besten Tennisspieler der Welt treffen sich in Basel und spielen um den Titel der ''Swiss Indoors''.

Bevor die ersten Filzbälle über das Netz fliegen, wollen wir euch die spannendsten Figuren im Teilnehmerfeld vorstellen. Dabei geht es nicht unbedingt um sportliche Erfolge, sondern um kuriose Stories, welche die Teilnehmer in ihrer Karriere erlebt haben. Von Kokain-Affären bis Rekordniederlagen – die folgenden 5 Geschichten haben es in sich!

Geschichte Nummer 1:
Der unglaubliche Wille von Juan Martin Del Potro

Am 14.9.2009 war ich mir sicher: Dieser Juan Martin Del Potro wird in den nächsten Jahren auf der ATP-Tour eine gehörige Rolle spielen. Das war nach dem US-Open-Final, als “DelPo“ Roger Federer ein einem packenden Endspiel nach fünf Sätzen mit 3:6, 7:6, 4:6, 7:6 und 6:2 bezwang und seinen 1. Grand-Slam-Titel feierte. Der Argentinier hatte alles: Einen starken Aufschlag, eine wuchtige Peitschen-Vorhand und zudem war er für seine Grösse noch richtig gut zu Fuss unterwegs. Doch es sollte alles anders kommen.

Anfang 2010 musste Del Potro aufgrund einer Handgelenksverletzung pausieren. Zunächst sah alles harmlos aus, doch es wurde schlimmer und schlimmer. Immer wieder wurde der 28-Jährige zurückgeworfen. Dreimal musste er das Handgelenk operieren, zwischenzeitlich fiel der “Turm aus Tandil“ sogar aus den Top 1000 der Weltrangliste. Während seine Fans den Glauben verloren, hiess es von Del Potro immer wieder: “Ich geben nicht auf!“. Und tatsächlich: In dieser Saison konnte der Argentinier seit langer Zeit wieder regelmässig Turniere spielen. Dass er weiterhin ein Grosser ist, zeigte er an den Olympsichen Spielen, wo er erst im Final am überragenden Murray scheiterte.

Geschichte Nummer 2:
Richard Gasquet und die Kuss-Kokain-Geschichte

RIchard Gasquet galt zu seiner Juniorenzeit als Wunderkind. Bereits mit 16 Jahren tauchte er in den Top 100 der Weltrangliste auf. Ganz Tennis-Frankreich war sich sicher: Gasquet wird irgendwann einmal die Nummer 1 werden. Heute wissen wir, dass dies vermutlich nie der Fall sein wird. Eine Geschichte, die den Franzosen mächtig aus der Bahn warf, ist die Kokain-Affäre aus dem Jahr 2009.

Am 11. Mai 2009 wird Gasquet mit einer Meldung schockiert: Die damalige Weltnummer 9 wird aufgrund von Kokain-Missbrauch gesperrt. Zunächst drohte dem Franzosen gar eine Sperre von zwei Jahren. Für einen aufstrebenden Sportler eine Ewigkeit. Gasquet versteht die Welt nicht mehr und versucht zu beweisen, dass er niemals Kokain zu sich genommen habe – zumindest nicht absichtlich. Und tastächllich: Gasquet gelingt es, dem Gericht klar zu machen, dass er unschuldig ist.

Wie? Gasquet gibt an, während dem ATP-Turnier in Miami an ein Konzert von Bob Sinclair gegangen zu sein. Dort habe er eine Dame namens Pamela getroffen, angetanzt und mit ihr dann “sieben Küsse, alle zwischen fünf und sieben Sekunden lang“ ausgetauscht. Der Tennisstar behauptete, nicht er habe gekokst, sondern sie! Durch das Küssen wäre dann das Kokain in den Körper des Tennis-Profi gelangt. Da die gefundene Kokain-Menge in Gasquets Körper extrem gering war und Francesca, die beste Freundin von Pamela, an diesem Abend gekokst hatte, glaubte man dem 21-Jährigen und verkürzte die Sperre auf zwei Monate und 15 Tage. 

 

Geschichte Nummer 3:
Vom ''Doping-Sünder'' zum Grand-Slam-Sieger

Bleiben wir gleich beim Doping. Auch Marin Cilic wurde vom ITF, dem internationalen Tennisverband, aufgrund von Dopings gesperrt. Im Rahmen der BMW Open 2013 in München wurde der Kroate positiv auf Nikethamid getestet und für neun Monate gesperrt. Gerüchten zufolge erfuhr dies Cilic während dem Wimbledon-Turnier. Aus Angst, dass er noch härter bestraft werden könnte, trat er zu seiner Zweitrundenpartie aufgrund von Knie-Problemen nicht an. Cilic wehrte sich dann gegen die Sperre und beteuerte, dass er das Mittel nicht absichtlich eingenommen hatte, sondern durch Glukose-Tabletten, die ihm ein Teammitglied aus einer Apotheke mitnahm. Da das Mittel nicht leistungsfördernd war, glaubte man dem 25-Jährigen – seine Sperre wurde auf vier Monate reduziert.

Trotzdem fiel der ehemalige Top-10-Spieler bis auf Rang 47 zurück. Der Weg zurück in die Weltspitze schien schwer. Doch die Sperre motivierte Cilic zusätzlich. In der Zwischenzeit hatte sich der Kroate seinen Landsmann Goran Ivanisevic als Trainer ins Team geholt und setzte dann zum Höhenflug an. Im Jahr 2009 – nur ein Jahr nach der Sperre – spielte Cilic bei den US Open alles und jeden in Grund und Boden und holte sich seinen ersten und bisher einzigen Grand-Slam-Titel ab. 

Geschichte Nummer 4:
David Goffin und der Umweg über die Challenger-Turniere

Im Oktober 2012 schaffte David Goffin – damals noch ein “No Name“ – den erstmaligen Sprung in die Top 50 der Weltrangliste. Der Belgier war zu diesem Zeitpunkt aber bereits 22 Jahre alt und damit aus dem Talentalter heraus. War der Weg für Goffin nun endlich frei? Nicht unbedingt. Die Entwicklung der belgischen Tennishoffnung stagnierte, der Sprung in die Top 40 wollte ihm irgendwie gelingen. Stattdessen ging es nach einer Weile nach hinten: Ein Jahr nach seinem “Durchbruch“ fiel Goffin wieder sogar aus den Top 100. Nach der Erstrundenniederlage in Wimbledon im Jahr 2014 gegen Andy Murray hatte Goffin die Schnauze voll: Der Belgier sagte der ATP-Tour für die nächsten Wochen “Tschüss“ und konzentrierte sich auf die Challenger Turniere.

Dort hatte Goffin natürlich die schwächeren Gegner, die Ergebnisse waren aber dennoch beeindruckend. Innerhalb von drei Wochen gewann Goffin 15 Partien am Stück und holte sich die Titel in Scheveningen, Poznan und Tampere. Und tatsächlich: Goffin holte sich gegen die “Kleinen“ das nötige Selbstvertrauen und konnte wiederum eine Woche später in Kitzbühel, wo er mit einer Wildcard and en Start ging, gleich noch seinen ertsen ATP-Titel anhängen. Bis zum Ende des Jahres kämpfte sich der heute 25-Jährige bis auf den 22. Platz. Vor den Swiss Indoors belegt der Mann aus Rocourt den 12. Platz der ATP-Tour. Manchmal muss man eben einen Schritt zurück machen, um dann zwei Schritte vorwärts gehen zu können.

Geschichte Nummer 5:
Nicolas Mahut und der unwissende Journalist

Nicolas Mahut ist ein ausgezeichneter Doppel-Spieler. Der Franzose gehört mit seinem Partner Pierre-Hugues zur Weltspitze. Auf der Einzel-Tour war der Franzose aber nie wirklich erfolgreich. Einige kennen Mahut wohl aufgrund der Rekordpartie in Wimbledon gegen John Isner, als er nach über 11 (!) Stunden in fünf Sätzen mit 4:6, 6:3, 7:6, 7:6 und 70:68 den Kürzeren zog. 

Eine weitere Geschichte, die Mahut “berühmt“ machte, spielte sich an den French Open 2014 ab. Der Doppelspezialist scheiterte in der Einzelkonkurrenz bereits in der 1. Runde an Mikhail Kukushkin nach vier umkämpften Sätzen. Bei seiner 12. Teilname am Roland Garros musste Mahut zum 10. Mal nach der ersten Partie die Koffer packen. Die Laune von Mahut an der Pressekonferenz nach der Pleite war dementsprechend mies. Doch sie wurde noch schlechter. Ein Journalist gratulierte der heutigen Weltnummer 40 zur Überraschung aller Anwesenden zum Sieg. Als Mahut ihn höflich darauf aufmerksam machte, dass er gerade eine bittere Niederlage eingesteckt hatte, fragte der Journalist frech: “Was ist denn da draussen passiert?“. Mahut war so sauer, dass er die Frage ignorierte und nur noch Fragen auf französisch beantwortete. 

Kurios: Hätte Mahut dieses Spiel tatsächlich gewonnen, wäre es zum Duell mit Isner gekommen…

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