f08367ae80d5dac0489d113716a57484.jpg
Das Fazit zur EM-Endrunde

Diese 20 Dinge haben wir an der EURO in Frankreich gelernt

Die EURO 2016 ist bereits wieder Geschichte und hat mit Portugal einen neuen Champion gefunden.

Nach dem Schlusspunkt im Stade de France blicken wir nochmals auf die vier Wochen der EM-Endrunde in Frankreich zurück und zählen 20 Dinge auf, die wir daraus mitnehmen…

Man kann auch ohne attraktiven Fussball Europameister werden

Dreimal unentschieden in der Gruppenphase, ein Sieg nach Verlängerung im Achtelfinal, einer nach Penaltyschiessen im Viertelfinal. Portugal verzauberte uns an der EM in Frankreich wahrlich nicht mit attraktivem Fussball. Dennoch: Die Lusitaner meisterten alle Hürden und holten dank einem 1:0-Sieg in der Verlängerung über Frankreich den ersten EM-Titel der Geschichte.

Man kann auch ohne Spielminute zum Star werden

Keine einzige Sekunde kam der Nordire Will Grigg zum Einsatz – und trotzdem wurde er zum Star. An den Song “Will Grigg’s on fire“ werden sich die Fussballfans noch lange erinnern.

England bleibt England

Es ist alle zwei Jahre dasselbe. Das englische Nationalteam reist mit einem auf dem Papier konkurrenzfähigen Kader an einen Grossanlass und kehrt mit leeren Händen heim. Von einigen Experten als Titelkandidat eingestuft, scheiterten die “Three Lions“ im Achtelfinal an Island. Es war eine der peinlichsten Pleiten in der Geschichte des englischen Fussballs. 

Thomas Müller und EM – das passt nicht

Dass Thomas Müller ein begnadeter Fussballer ist, ist hinlänglich bekannt. Doch Europameisterschaften scheinen dem Bayern-Star einfach nicht zu liegen. Während er an Weltmeisterschaften in 13 Partien nicht weniger als zehn Mal traf, wartet Müller auch nach seiner zweiten EM-Endrunde weiterhin auf seinen ersten Treffer. Elf Spiele – null Tore: Eine Bilanz, die sich nicht sonderlich gut liest.

Spaniens Fussball-Dominanz ist definitiv vorbei

Europameister 2008, Weltmeister 2010, Europameister 2012: Bis vor vier Jahren war Spanien das Mass aller Dinge im Weltfussball. Nun kann man feststellen: Das Ausscheiden in der Gruppenphase der WM 2014 war kein Ausrutscher. Auch in Frankreich war bereits im Achtelfinal Schluss (0:2 gegen Italien), Spanien ist auf dem harten Boden der Realität gelandet.

Belgien ist eben doch nicht mehr als ein Geheim-Favorit

Für viele Experten gehörte Belgien vor der EM zum engsten Favoritenkreis, doch die Nummer 2 der FIFA-Weltrangliste blieb (erneut) den Beweis schuldig, eine Spitzenmannschaft zu sein. Zwar vermochten die roten Teufel phasenweise zu begeistern, verloren aber gegen Italien und scheiterten im Viertelfinal an Wales. Viel zu wenig, gemessen an den (eigenen) Ansprüchen.

Im Stadion bleibt nichts unbemerkt

Eigentlich haben wir das ja bereits gewusst, doch Jogi Löw scheint an der EM eine wichtige Lektion gelernt zu haben. Nichts bleibt in einem Fussbalstadion unbemerkt, schon gar nicht an einer Endrunde. Die “Schnüffel“-Aktion des Bundestrainers sorgte in der ersten EM-Woche für viele Schlagzeilen – und rückte sogar kurz auf Kosten des Sports in den Mittelpunkt.

Griezmann ist definitiv ein Star

Schon vor der EM ruhten die Hoffnungen der Franzosen unter anderem auf den Schultern von Antoine Griezmann, doch ob der 25-Jährige trotz überragender Saison bei Atlético Madrid auch im Nationalteam brillieren konnte, war unklar. Nun kennen wir die Antwort. Griezmann wurde mit sechs Treffern Torschützenkönig und war die grosse Figur des Turniers.

Die Schweiz braucht einen Knipser

Gut gespielt, aber eben erneut nicht den grossen Wurf geschafft. Das Fazit der Auftritte der Schweizer Nationalmannschaft fällt zwiespältig aus. Offensichtlich dabei: Der Schweiz fehlte ein Knipser, wie Alex Frei einer war. Drei Tore aus vier Partien sind viel zu wenig. Mit etwas mehr Durchschlagskraft in der Offensive wäre in Frankreich einiges mehr möglich gewesen.

Es gibt keine ''Kleinen'' mehr

Was die Sportler Jahr für Jahr gebetsmühlenartig wiederholen, hat sich in Frankreich bestätigt. Es gibt keine sogenannt “kleinen“ Teams mehr. Nordirland und Ungarn schafften den Sprung in den Achtelfinal, Island stiess in den Viertelfinal vor und für Wales bedeutete gar erst der Halbfinal Endstation. Auch der grosse Underdog Albanien verkaufte seine Haut teuer.

Leidenschaft kompensiert mangelndes Talent

Ohne viel Vorschusslorbeeren angetreten entwickelte sich Italien zu so etwas wie der Lieblingsmannschaft der neutralen Fans. Das Team von Antonio Conte, das auf dem Papier eines der schwächsten Kader der neueren Zeit stellte, begeisterte mit viel Leidenschaft und scheiterte im Viertelfinal nur hauchdünn an Deutschland. Die Tränen von Gianluigi Buffon und Andrea Barzagli nach dem Ausscheiden verrieten viel über den Charakter dieser Mannschaft.

Der neue Modus schadet der Spannung

Die Idee, die Anzahl der Mannschaften an der EM-Endrunde von 16 auf 24 zu erhöhen, wurde im Vorfeld rege diskutiert. Zwar konnte der eine oder andere Debütant in Frankreich durchaus positiv überraschen, der Spannung war die Modusänderung aber nicht wirklich zuträglich. Weil nur acht (!) Teams in der Gruppenphase scheiterten, gab es zahlreiche Gähn-Spiele, da die meisten Teams nach dem Motto “defense first“ agierten.

Es geht auch ohne Schiedsrichter-Diskussionen

Nein, auch in Frankreich arbitrierten die Unparteiischen nicht fehlerfrei, aber im Vergleich zu vergangenen Turnieren blieben die grossen Patzer mehrheitlich aus. Die Referees machten an der EM-Endrunde einen guten Job. Dass erneut kein Schweizer dabei war, zeigt, dass in Sachen Schiedsrichterausbildung in unserem Land noch viel Arbeit ansteht.

Cristiano Ronaldo schiesst gerne

Gut, das wussten wir eigentlich schon vor der EM-Endrunde, doch das Turnier in Frankreich hat erneut gezeigt: Keiner zieht so häufig ab wie Cristiano Ronaldo. 46 Abschlüsse verzeichneten die Statistiker beim Real-Superstar, damit steht der 31-Jährige ausser Konkurrenz. Der “Zweitbeste“ in dieser Statistik ist Gareth Bale – mit 25 Abschlüssen. 

Die besten Fans kommen aus Irland

Ob ein Gute-Nacht-Lied für ein Baby, ein Ständchen für eine schöne Frau, Applaus für die Polizei oder das Mithelfen bei einem Reifenwechsel: Die irischen Fans sorgten in Frankreich mit ihren Aktionen für strahlende Gesichter. Anders als die Anhänger von anderen Nationen sorgten die Iren ausschliesslich für positive Schlagzeilen – top.

Man braucht nicht viele Einwohner für Erfolg

Es war das Märchen schlechthin an dieser EM: Island sorgte in Frankreich für Furore und stiess bis in den Viertelfinal vor. Dies, obwohl auf der Insel nur ca. 330’000 Menschen wohnen. Die Nordländer zeigten sich an der EM-Endrunde als geschlossene Einheit und eroberten so die Herzen zahlreicher Fussballfans auf der ganzen Welt im Flug.

Konzentrier dich beim Elfmeter auf den Schuss

Einen Ball aus elf Metern ins nur vom Torwart bewachte Tor zu schiessen, sollte einfach sein – könnte man meinen. Doch zahlreiche Schützen scheiterten in Frankreich vom Punkt. Die beiden Italiener Simone Zaza (Anlauf) und Graziano Pellè (Psychospielchen) zeigten sich dabei besonders kreativ und besiegelten mit ihren Fehlschüssen das Ausscheiden der “Squadra Azzurra“. Wer den Schaden hat…

Schwedens unmittelbare Zukunft sieht düster aus

Die EM hätte in Zlatan Ibrahimovics Nationalmannschafts-Karriere das letzte grosse Highlight werden sollen – doch der Superstar blieb wie seine Teamkollegen blass. Zu viel im schwedischen Team war auf Ibrahimovic ausgerichtet, die Qualität im Kader erwies sich als erschreckend schwach. Nur gerade einen Treffer erzielten die Skandinavier – und dieser war erst noch ein Eigentor des Iren Ciaran Clark. Nun, nach dem Rücktritt Ibras, dürfte es für die Schweden nicht einfacher werden.

Das Hooligan-Problem besteht noch immer

Die Angst vor der EM vor Terror-Attacken war gross, die Gefahr kam dann aber von einer anderen Seite. Einen Tag nach dem Eröffnungsspiel prallten in Marseille Hooligans aus England und Russland aufeinander – mit fatalen Folgen. Immerhin: Für den Rest des Turniers blieb es in dieser Hinsicht mehrheitlich ruhig. Die Ausnahme: Die kroatischen Chaoten, welche im Spiel gegen Tschechien durch das Werfen von Pyrotechnik beinahe für einen Spielabbruch sorgten.

Russland steht vor einem Scherbenhaufen

Drei Spiele, ein Punkt, 2:6 Tore. Zwei Jahre vor der Heim-WM gaben die Russen in Frankreich ein äusserst schlechtes Bild ab. Nach der katastrophalen EM trat nicht nur Nationaltrainer Leonid Slutski zurück, einige Spieler sollen sogar vorgeschlagen haben, die Nationalmannschaft aufzulösen. Knapp zwei Jahre vor dem Highlight im eigenen Land stehen die Osteuropäer also ohne Trainer, Identität und Talent da.

· · ·


Related Articles & Comments

×