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Das Form-Barometer zur EURO

Die Schweiz steht miserabel da: So heiss sind die EM-Teilnehmer

Noch ein paar Wochen verbleiben, dann wird in Frankreich nach dem neuen Europameister gefahndet. Die Nationalmannschaften erhielten in der vergangenen Woche Gelegenheit, sich für das Turnier vorzubereiten. Wir machen den Form-Check und beurteilen die gezeigten Leistungen.

Klar, die Ergebnisse aus Testspielen müssen mit Vorsicht bewertet werden. Viele Trainer neigen zu Experimenten und nehmen viele Wechsel vor. Trotzdem lassen sich aus den ersten Nationalmannschafts-Auftritten in 2016 einige Tendenzen ablesen. Wer befindet sich in Frühform und wer muss die beste Aufstellung erst noch finden? Die Schweizer Nati schnitt nach den schwachen Auftritten erwartungsgemäss nicht weit vorne ab…

Rang 24: Ungarn
Gruppe F

Die Ungarn, die sich erst über die Barrage gegen Norwegen für die Endrunde qualifizieren konnten, bestritten übers Wochenende nur ein Länderspiel. Gegen Kroatien schaute am Ende ein 1:1 heraus. Den Ausgleich markierte der Star der Mannschaft, Balazs Dzsudzak, durch einen direkten Freistoss. Die Ungarn nehmen in Frankreich vorraussichtlich nur eine Aussenseiterrolle ein.

Rang 23: Wales
Gruppe B

Die Waliser lieferten zwei bescheidene Vorbereitungsspiele ab. Gegen Nordirland spielte man 1:1, gegen die Ukraine gab es eine 0:1-Niederlage. Beide Gegner sind ebenfalls an der Europameisterschaft vertreten, die Waliser werden daher keine allzu grossen Ansprüche an ihr Team stellen.

Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf den Stars Gareth Bale und Aaron Ramsey, die für die beiden Testspiele passen mussten. Mit ihnen ist für die Gruppengegner von Wales eine andere Mannschaft zu erwarten. 

Rang 22: Schweiz
Gruppe A

Die Niederlagen gegen Irland und Bosnien versetzten der Hoffnung auf eine erfolgreiche Endrunde einen Dämpfer. Zu uninspieriert und ohne Durchschlagskraft zeigten sich die Schweizer in den beiden Tests. Es passte wenig zusammen, in der Innenverteidigung haperte es genauso wie im harmlosen Angriff. 

Natürlich fehlte der Schweiz mit Xherdan Shaqiri einer der wichtigsten Spieler. Dennoch darf dies keine Entschuldigung – gerade für die Leistung beim 0:2 gegen Bosnien – sein. Es bleibt zu hoffen, dass die formschwachen Spieler rechtzeitig zur EURO wieder in den Tritt kommen und dass sich Ausfälle wichtiger Spieler in Grenzen halten.

Rang 21: Tschechien
Gruppe D

Die Tschechen konnten ihre beiden Testspiele nicht gewinnen. Gegen Schottland verlor man zuhause mit 0:1, in Schweden holte man wenigstens ein 1:1-Unentschieden. Den einzigen Treffer erzielte Matej Vydra vom FC Reading.

Die Leistung der Tschechen ist schwierig einzuschätzen. In beiden Spielen schickte Trainer Vrba zwei fast komplett unterschiedliche Mannschaften aufs Feld. Tomas Vaclik und Marek Suchy etwa kamen erst im zweiten Spiel gegen Schweden zum Einsatz. Das Grundgerüst der Mannschaft muss erst noch gefunden werden.

Rang 20: Slowakei
Gruppe B

Die Slowaken erspielten sich in Dublin ein 2:2. Das einzige selbst erzielte Tor erzielte Miroslav Stoch nach gut 15 Minuten, der Ausgleich fiel dann durch ein Eigentor der Iren. In der Gruppe mit England, Russland und Wales muss aber eine Steigerung her, wenn das Achtelfinale angepeilt werden soll.

Rang 19: Albanien
Gruppe A

Beim ersten Euro-Gegner der Schweiz kamen gleich einige Spieler mit Super-League-Erfahrung zum Einsatz. Bei der 1:2-Niederlage gegen Österreich zog Taulant Xhaka zusammen mit dem Ex-Zürcher Amir Abrashi die Fäden im Mittelfeld, den Ehrentreffer erzielte der ehemalige St. Galler Ermir Lenjani.

Beim anschliessenden 2:0-Sieg in Luxemburg waren mit Djimsiti, Basha, Gashi, Kukeli, Aliji und Arlind Ajeti ebenfalls alte Bekannte auf dem Platz, Xhaka und Abrashi sassen dafür auf der Bank. Die Albaner taten sich gegen den Fussballzwerg aber lange schwer, die erlösende Führung erzielte der eingewechselte Sadiku erst in der 63. Minute. Die Adler sollten sich aber besser noch etwas steigern, um auch an der Endrunde mithalten zu können.

Rang 18: Schweden
Gruppe E

Ohne Superstar Zlatan Ibrahimovic unterlagen die Schweden in der Türkei mit 1:2. Mit dabei war dafür Kim Källström, der sich als einziger Spieler auf dem Platz eine Gelbe Karte abholte. Viel wird über den Auftritt der Schweden nicht zu reden geben, die Schlagzeilen bestimmten eher die massiven Sicherheitsvorkehrungen, unter denen das Spiel in Istanbul ausgetragen wurde.

Ibrahimovic kehrte für das Spiel gegen Tschechien am Dienstag dann zurück. Beim 1:1 war es aber Marcus Berg, der den Treffer für die Skandinavier erzielte. Nicht nur von Ibrahimovic, sondern von der ganzen Mannschaft, ist an der Europameistschaft mehr zu erwarten.

Rang 17: Island
Gruppe F

Die Isländer kassierten in Dänemark eine 1:2-Niederlage. Die Nordlichter müssen somit weiterhin auf einen Sieg gegen die Dänen warten. In elf Spielen sprang für Island bisher nur ein Unentschieden heraus.

Dafür siegte die Mannschaft von Lars Lagerbäck, die so überraschend die EM-Qualifikation gepackt hat, am Dienstag gegen Griechenland. Bjarnason und Co. drehten dabei einen 0:2-Rückstand nach gut 30 Minuten noch in einen Sieg um.

Rang 16: Belgien
Gruppe E

Bei den Belgiern war der Fussball aufgrund der Terror-Anschläge von Brüssel nur Nebensache. Aus Sicherheitsgründen sollte das Spiel gegen Portugal zunächst gar abgesagt werden, die Portugiesen boten dann aber an, das Spiel nach Lieira zu verlegen. Dort mussten sich die Belgier mit 1:2 geschlagen geben. Für eine stark besetzte belgische Mannschaft eigentlich etwas zu wenig.

Rang 15: Österreich
Gruppe F

Unser Nachbarland gewann das erste Vorbereitungsspiel gegen Albanien mit 2:1 und musste sich darauf gegen die Türkei mit 1:2 geschlagen geben. 

Die Elf von Marcel Koller muss also ebenfalls noch etwas an sich arbeiten. Im Gegensatz zur Schweiz ist wenigstens die Offensiv-Abteilung erfolgreich. Einen Treffer gegen Albanien erzielte auch der Super-League-Topskorer Marc Janko.

Rang 14: Ukraine
Gruppe C

Die Ukraine konnten beide Testspiele mit 1:0 gewinnen. Allerdings spielte man mit Zypern und Wales nicht gerade gegen hochkarätige Gegner.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Trainern schickte Mykhaylo Fomenko in beiden Spielen fast die gleiche Mannschaft auf den Rasen. Er veränderte seine Startelf nur auf drei Positionen. Im Hinblick auf die Europameisterschaft könnte es ein kleiner Vorteil sein, dass die Ukraine ihre Basis bereits gefunden hat.

Rang 13: Nordirland
Gruppe B

Ein Unentschieden gegen einen EM-Teilnehmer, einen Sieg gegen einen Nicht-Teilnehmer. Welche Leistung wichtiger einzuschätzen ist, ist nicht so einfach zu beantworten. Im Duell der EM-Debütanten gegen Wales kassierten die Nordiren den 1:1-Ausgleich erst kurz vor Schluss durch einen Elfmeter.

Gegen Slowenien war Conor Washington der einzige Torschütze des Spiels. Für die Gruppe mit Polen, Ukraine und Deutschland macht der 1:0-Sieg sicher Hoffnung. Die Nordiren arbeiten bereits intensiv an ihrer Form für das Turnier im Sommer.

Rang 12: Russland
Gruppe B

Gegen Litauen schickte Leonid Slutski seinen zweiten Anzug aufs Feld und die Russen gewannen prompt mit 3:0. Im Verlauf der Partie wurde auch Aleksandr Kerzhakov eingewechselt.

Beim darauffolgenden Auswärtsspiel gegen Frankreich wurde die Mannschaft auf fast allen Positionen umgestellt, die Russen verloren aber trotzdem klar mit 2:4. Die Niederlage gegen Frankreich dürften die Russen sicher verkraften, viel wichtiger werden die Spiele gegen weniger stark besetzte Gegner.

Rang 11: Portugal
Gruppe F

Die Portugiesen erlebten gegen Bulgarien am Karfreitag einen Auftakt zum Vergessen. Obwohl die Stars Cristiano Ronaldo, Nani, oder Pepe in der Startaufstellung waren, setzte es eine 0:1-Heimniederlage ab.

Dafür rehabilitierten sich die Südländer ein paar Tage später gegen Belgien. Nani und Ronaldo spielten in der ersten Halbzeit bereits eine 2:0-Führung heraus, die Belgier kamen nur noch zum Anschlusstreffer durch Lukaku. Licht und Schatten also bei der Seleçao.

Rang 10: Irland
Gruppe E

Bekanntlich gewannen die Iren ihr Heimspiel gegen die Schweiz mit 1:0. Irland ging bereits in der zweiten Minute in Führung und liess nachher gegen harmlose Eidgenossen nahezu keine Chance zu.

Die defensive Stabilität ging im zweiten Spiel gegen die Slowakei etwas verloren. Die Angreifer Shane Long und James McClean drehten den Rückstand innerhalb weniger Minuten in eine Führung um, McShane traf aber kurz vor Halbzeit ins eigene Netz und so hiess es am Schluss 2:2. Bitter dazu, dass Torwart Rob Elliot mit einer Knieverletzung ausgewechselt werden musste. Noch ist unklar, ob er an der EURO teilnehmen kann.

 

Rang 9: Kroatien
Gruppe D

Die Kroaten putzten in der Heimat die Israelis mit 2:0. Das frühe Tor erzielte Ivan Perisic, der sich auch bei seinem Klub Inter Mailand momentan in einer blendenden Verfassung befindet. Ansonsten legten die Kroaten aber nicht unbedingt einen Glanzauftritt hin.

Ähnlich ist das 1:1 gegen Ungarn einzuschätzen. Von den vielen Stars in der Mannschaft konnte keiner das Spiel in die gewünschte Richtung lenken. Ivan Rakitic vom FC Barcelona verpasste die Länderspiele wegen einer Wadenverletzung.

Rang 8: Italien
Gruppe E

Die Squadra Azzura konnte keines ihrer beiden Spiele gewinnen, allerdings testete man auch gegen hochklassige Gegner. Gegen Spanien trennte man sich mit 1:1, in München gab es darauf eine 1:4-Klatsche gegen Deutschland.

Antonio Conte probierte viel aus und nahm gerade in der Offensive viele Wechsel vor. Im Mittelfeld kehrte Thiago Motta zurück, der seit dem Aus in der Gruppenphase bei der WM 2014 nicht mehr berücksichtigt wurde. Eine klare Startelf lässt sich also nicht herauslesen und die Mannschaft muss sich erst noch finden.

Rang 7: Spanien
Gruppe D

Der Start ins EM-Jahr verlief für den Titelverteidiger enttäuschend. Zuerst trennte man sich eher glücklich mit 1:1 gegen Italien, dann kam es in Rumänien zu einem 0:0. Vicente del Bosque probierte zwar viel aus, wie immer haben die Spanier aber mit das beste Spielermaterial zu Verfügung. Ein Sieg gegen Rumänien ist da fast schon Pflicht.

Das einzige Tor für die Spanier erzielte Aritz Aduriz, eine interessante Personalie. Der 35-Jährige absolvierte über Ostern seine Länderspiele 2 und 3. Sein Debüt liegt bereits über fünf Jahre zurück. Durch die starke Konkurrenz darf angezweifelt werden, ob der Stürmer von Athletic Bilbao seinen Platz im EM-Kader findet. Aktuell ist er der beste spanische Torschütze (17 Treffer) in der Primera Division.

Rang 6: England
Gruppe B

Die Freude über den späten 3:2-Sieg gegen Deutschland währte nur kurz. Nur wenige Tage später mussten sich die “Three Lions“ im Wembley gegen die Niederlande geschlagen geben. Roy Hodgson probierte viel aus und wollte jedem seiner Spieler eine Chance geben.

Einer, der seine Einsatzzeit definitiv nutzen konnte, war Jamie Vardy. Der Goalgetter von Leicester City traf in beiden Spielen, gegen Deutschland sogar mit einem tollen Absatztor. Gut möglich, dass er einer der Schlüsselspieler in Frankreich sein wird.

Rang 5: Rumänien
Gruppe A

Dem Gruppengegner der Schweiz gelang am Sonntag gegen die Spanier ein Achtungserfolg. Gegen den Titelverteidiger erreichte man in der Heimat ein torloses Unentschieden. Zumindest in der Defensive verfügen die Rumänen also über das nötige Rüstzeug für das Turnier im Sommer.

Das Team, das ohne grössere Stars auskommen muss, gewann zuvor gegen Litauen am 23. März mit 1:0. Das einzige Tor der beiden Vorbereitungsspiele erzielte Nicolae Stanciu von Steaua Bukarest. Insgesamt sind die Rumänen jetzt seit 14 Spielen ungeschlagen.

Rang 4: Polen
Gruppe C

Der polnische Trainer Adam Nawalka wirbelte seine Mannschaft in den Testspielen gegen Serbien und Finnland kräftig durch. Geschadet hat dies nicht, beide Matches konnten gewonnen werden, jenes gegen Finnland gar mit 5:0. Wer jetzt glaubt, dass Robert Lewandowski gleich für mehrere Treffer verantwortlich war, irrt. Der Bayern-Spieler blieb in beiden Spielen ohne Tor.

Uneinigkeit scheint vor allem auf der Torhüterposition zu bestehen. Gegen Serbien durften Wojciech Szczesny und Lukasz Fabianski je eine Halbzeit ran, gegen Finnland spielte Artur Boruc durch. Bis zum Sommer muss Nawalka sich aber noch auf einigen Positionen festlegen.

 

Rang 3: Türkei
Gruppe D

Die Türkei konnte ihre beiden Testspiele gegen Schweden und Österreich je mit 2:1 gewinnen. Die Leistung der Mannschaft von Fatih Terim lässt aufhorchen, zumal die Gegner auf dem Papier zumindest als ebenbürtig einzuschätzen sind.

Angeführt von einem starken Arda Turan könnten die Türken im Sommer für eine Überraschung sorgen. Daneben glänzten auch der Angreifer Cenk Tosun mit einem Doppelpack gegen die Schweden und Hakan Calhanoglu mit einem wunderschön verwandeltem Freistoss.

Rang 2: Deutschland
Gruppe C

Gegen England gaben die Deutschen am Samstag den Sieg regelrecht aus der Hand. Nach 57 Minuten führte man mit 2:0 und schien alles im Griff zu haben. Die “Three Lions“ schafften aber nicht nur den Ausgleich, sondern erzielten in der Nachspielzeit gar den 3:2-Siegtreffer.

Gegen Italien stellte Jogi Löw seine Mannschaft dann etwas um. In der Startformation stand auch Mario Götze, der sich endlich seinen Bayern-Frust von der Seele spielen wollte. Prompt gelang dem 23-Jährigen ein Kopfballtreffer kurz vor der Pause zum 2:0. Insgesamt lieferte Deutschland beim 4:1 eine überzeugende Leistung ab und gehört auch dieses Jahr zum engeren Favoritenkreis an der EURO.

Rang 1: Frankreich
Gruppe A

Die Gastgeber wussten in beiden ihrer Testspiele zu überzeugen. Am Karfreitag reichte es zu einem späten Auswärtssieg gegen die Niederlande, am Dienstag wurden die Russen in einer munteren Partie in Saint-Denis mit 4:2 bezwungen.

Wie es sich für Testspiele gehört, führte Didier Deschamps in den beiden Spielen einige Experimente durch und nahm viele Wechsel vor. Die Startelf für das Turnier steht zwar bei weitem noch nicht fest, die Franzosen dürfen sich aber auf einen starken und ausgeglichenen Kader bei der Heim-EM freuen. Auch die Einwechselspieler fügten sich nahtlos ins Gebilde ein und sind sicher eine Option.

Die Gewinner auf Seiten der Blauen sind unter anderem N’Golo Kanté von Leicester City und Münchens Kingsley Coman. Für Kanté waren es die ersten beiden Länderspiele. Gegen Russland spielte er bereits durch und erzielte früh das richtungsweisende 1:0.

 

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