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Federer vs. Goffin: Die Analyse

Geschwebt wie ein Geist – undurchdringbar wie eine Mauer

Roger Federer hat sich zur Geisterstunde in Melbourne problemlos in den Viertelfinal gespielt und zeigte vor allem in den ersten beiden Sätzen grossartiges Tennis.

Wir nehmen das 6:2, 6:1, 6:4 gegen David Goffin in der Analyse noch einmal unter die Lupe.

Das gibt uns Mut

Federers unglaubliche Lockerheit: Erst um 22:48 Uhr Ortszeit durfte Federer sein Match überhaupt beginnen, weil vorher Novak Djokovic und Carla Suarez Navarro die Rod Laver Arena für ihre mühevollen Siege in Beschlag nahmen. Endlich am Zug, verlor der Baselbieter keine Zeit und kannte überhaupt keine Anlaufschwierigkeiten. Den ersten Satz gewann er spielerisch in 21 Minuten.

Die Rückhand: Von seinen insgesamt 39 Winnern schlug Federer einige mit der Rückhand. Auf seiner eigentlich schwächeren Seite griff er auch viele zweite Aufschläge Goffins sofort an – mit Erfolg. Ist Federers Backhand gut, ist dies normalerweise ein Zeichen, dass es auch um sein Selbstvertrauen nicht schlecht bestellt ist, was für den weiteren Verlauf des Turniers äusserst positiv stimmt.

Das bereitet uns Sorgen

Ganz ehrlich: Nicht viel. Die 20 unerzwungenen Fehler sind beim Tempo, das Federer vorlegte, ein ganz dünnes Haar in einer nahrhaften Suppe. Das einzige Break Goffins im dritten Satz hätte nicht sein müssen.

Sucht man weiter nach Negativem, kommt man nur auf Dinge wie in den folgenden Bildern…

Das bereitet uns (nicht wirklich) Sorgen

Die Konkurrenz ist nun noch mehr vor Federer gewarnt. Der Schweizer hat sich vom Mit- zu einem der Hauptfavoriten gemausert, zumal Novak Djokovic bei seinem Auftritt gegen Gilles Simon für einmal erstaunlich viele Schwächen offenbarte.

Das bereitet uns (nicht wirklich) Sorgen

David Goffin dürfte dieses Bild vor seinem geistigen Auge vor dem Einschlafen kaum mehr loswerden können. Wo er auch hinspielte, Federer war bereits dort. Dem Belgier, der bereits in der zweiten Runde einen Sonnenstich erlitt, dürfte nach dem heutigen Match noch ein bisschen schwindlig sein.

Das bereitet uns (nicht wirklich) Sorgen

Heinz Günthardt und Stefan Bürer könnten bald die Superlative ausgehen. Die beiden SRF-Kommentatoren schöpften während der 88 Minuten Spielzeit aus dem Vollen und brachten alle Klassiker ihres verbalen Arsenals. Hier ein paar Auszüge (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

“Federer liest Goffins Spiel wie ein offenes Buch!“

“Das ist Tennis von einem anderen Stern. Meine Herrschaften!“

“Hat er je besser retourniert?“

“Wir verneigen uns!“

“Das gibt’s nicht!“

Das bereitet uns (nicht wirklich) Sorgen

Federer könnte sich beim Schreiben der vielen Autogramme am Handgelenk verletzen…

Die Statistiken

Zurück zur Ernsthaftigkeit: Die Dominanz Federers widerspiegelt sich auch in den Zahlen zum Spiel. Die gute Quote nach erstem Aufschlag sind wir uns ja bereits gewohnt, beeindruckend ist ausserdem die grosse Anzahl Winner, die dem Maestro in den knapp anderthalb Stunden Spielzeit gelangen.

Das sagte Federer…

… über Spiel und Gegner: “Ich bin sehr, sehr glücklich. Es war hart, sich nach dem Day-Match gegen Dimitrov mit geschlossenem Dach wieder an eine Night-Session mit offenem Dach umzugewöhnen. Die ersten zwei Sätze waren toll, ja eigentlich das ganze Match. Im Training tat ich mich gegen Goffin immer schwer, heute agierte er etwas ängstlich und merkte erst im Lauf der Partie, was vielleicht möglich gewesen wäre.“

… über ein Treffen mit Rod Laver vor dem Spiel: “Er sagte kurz Hallo. Es ist immer grossartig, mit ihm zu reden – sehr inspirierend.“

… über seinen neuen Coach Ivan Ljubicic: “Es ist das erste Mal, dass ich einen Coach habe, gegen den ich selbst gespielt habe. Das ergibt eine sehr interessante Situation. Er kann mich sehr gut beraten, auch zu meinem eigenen Spiel.“

… über den nächsten Gegner Tomas Berdych: “Ich kenne ihn seit langer Zeit, wir haben einige grosse Matches gegeneinander bestritten, wobei ich auch schmerzhafte Niederlagen einstecken musste. Dieser Belag, dieser Court kommt ihm sehr entgegen, letztes Jahr stand er ja im Halbfinal. Er spielte ein tolles Match gegen Nick Kyrgios. Es war wichtig für ihn, dass er das gegen Roberto Bautista Agut bestätigen konnte.“

So geht es weiter

Es ist nicht damit zu rechnen, dass Federer am Australian Open noch ein weiteres Spiel im Energiesparmodus wird gewinnen können. Am Dienstag in den Viertelfinals trifft er auf den Tschechen Tomas Berdych (ATP 6), gegen den er schon 15-mal gewonnen, aber auch schon sechsmal verloren hat.

Und die Niederlagen schmerzten: Federer unterlag Berdych einmal an den Olympischen Spielen (Athen 2004), einmal in Wimbledon (2010), einmal am US Open (2012), einmal an seinem zweiten Heimturnier in Dubai (2013) und zweimal an Masters-1000-Turnieren (Key Biscayne und Paris-Bercy).

Trotzdem: Die letzten vier Partien entschied Federer allesamt für sich, zuletzt an den ATP World Tour Finals im letzten November, als er klar mit 6:4, 6:2 gewann. Berdych musste im Achtelfinal im Gegensatz zum Baselbieter ausserdem hart kämpfen und gegen Roberto Bautista Agut einen Fünfsätzer spielen.

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