23a6b4187bb7335d2648a18ff2abeec8.jpg
Federer vs. Dimitrov: Die Analyse

Raus aus dem Lehnstuhl, Roger! Einfacher wird es nicht…

Mit viel Willen und einigen Schwierigkeiten hat Roger Federer – nicht wie im letzten Jahr – die dritte Runde des Australian Open überstanden und seinen 300. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier gefeiert.

Das 6:4, 3:6, 6:1, 6:4 gegen Grigor Dimitrov zeigte, dass der Schweizer noch etwas Arbeit vor sich hat, allerdings gibt es auch gute Argumente, dass der Lauf bis ins Endstadium des Turniers weitergehen könnte. SPORTAL mit der Analyse zum Spiel.

Das macht uns Mut

Das Kämpferherz: Federer musste gegen den aggressiv gestimmten Dimitrov durchaus kritische Phasen durchmachen. Im zweiten Satz fand er kein Mittel, den frühen Breakrückstand wieder wettzumachen. Umso stärker war die Reaktion auf den erstmaligen Rückschlag im Turnier: Federer überstand im ersten Aufschlagsspiel des dritten Durchgangs eine weitere Druckphase des Bulgaren und setzte dann scheinbar mühelos zum Gegenangriff an. Kämpferisch war die Leistung über die gesamte Spieldauer mehr als in Ordnung.

Das Netzspiel: Besonders nach erstem Aufschlag, der wie schon in der zweiten Runde gut funktionierte, rückte Federer oft ans Netz vor. Dabei zeigte er sich gewohnt effizient und verbuchte knapp drei Viertel aller Punkte.

Das bereitet uns Sorgen

Fehlender Killerinstinkt bei Breakchancen: Insgesamt 15 Breakchancen erspielte sich Federer während der 200-minütigen Partie, nur vier davon konnte er nutzen. Klar lag das auch an Dimitrov, dennoch muss hier im weiteren Verlauf des Turniers der Hebel angesetzt werden. Ungern erinnern wir uns ans Endspiel des US Open zurück, als Federer unter anderem wegen dieser Schwäche gegen Novak Djokovic verlor. Die Königsfrage ist: Wie holt man sich den Killerinstinkt zurück?

Wo ist der Plan B?: Federer sagte im Interview nach dem Spiel, er habe sich sehr konzentrieren müssen, um im richtigen Moment den richtigen Schlag auszupacken. Das machte sich in seinem Spiel bemerkbar, insbesondere dann, wenn seine bewährten Waffen (Aufschlag, Vorhand) nicht ihre gewünschten Wirkungen entfalteten. Ging es darum, andere Lösungen zu finden, hatte der Maestro ein Problem und verlor meist den Punkt.

Die Statistiken

Die Quote der gewonnenen Punkte nach erstem Aufschlag war bei Federer erneut gut, auch die Anzahl an Assen und Winnern können sich sehen lassen. Etwas erschreckend sind dagegen die vielen unerzwungenen Fehler…

Das sagte Federer…

… zum Spiel: “Grigor spielte gut und ich hatte etwas Mühe. Ich weiss nicht, was da los war. Vielleicht war ich einfach müde. Zum Glück schaffte ich im dritten gleich das frühe Break. Danach gelang es mir, in Führung zu bleiben und es kam auch der Rest zurück. Es war kompliziert, aber wenn man diese Spiele gewinnt, ist das noch schöner.“

… zu den Ellenbogenproblemen Dimitrovs: “Natürlich merkt man das. Es beeinflusst auch die Atmosphäre und die Art und Weise, wie die Punkte konstruiert werden. Trotzdem muss man sich auf das eigene Spiel konzentrieren. Weil mein Service am Ende gut funktionierte, spielte es zum Glück nicht so eine grosse Rolle.“

… zu seiner Vorhand: “Die war nicht viel heute, da war ich schon besser. Morgen kann ich noch einmal trainieren, übermorgen geht es bei anderen Bedingungen gegen einen anderen Gegner – vielleicht geht es dann wieder einfacher.“

… zum 300. Sieg an Grand Slams: “Das ist etwas sehr Spezielles, das ich auch einordnen kann. Ich spiele schon Grand Slams, seit ich 18 Jahre alt bin und habe nie einen verpasst. Es freut mich, dass ich so lange auf einem so hohen Level spielen kann. Viele der Siege kamen ja auch auf dem Centre Court zustande.“

… zum nächsten Gegner David Goffin: “Ich habe letztes Jahr mehr von ihm erwartet, er war ja vorletztes Jahr mit mir im Trainingslager in Dubai. Dort war ich schwer beeindruckt von seiner Fitness, seiner ruhigen Art und seinen Bällen. Letzten Endes kam dann aber ausser dem Davis-Cup-Final nicht so viel von ihm. Vielleicht könnte das jetzt das Jahr sein, in dem er sein Spiel ein bisschen besser ‚checkt‘. Ich muss sicher aufpassen, im Training habe ich gegen ihn immer recht Mühe. Ich muss aggressiv spielen und defensiv gut arbeiten.“ 

So geht es weiter

Im Achtelfinal bekommt es Federer mit David Goffin (ATP 16) zu tun. Gegen den Belgier spielte der Baselbieter bisher drei Mal und konnte alle Partien für sich entscheiden. Letzten Herbst in Basel tat er sich allerdings schwer und musste einen Satz abgeben.

Goffin hat sich mit einem Sieg gegen Dominic Thiem ein weiteres Duell mit seinem Idol gesichert. In der Runde zuvor erlitt er einen Sonnenstich, von dem er sich nur langsam erholt. Ein Nachteil?

· ·


Related Articles & Comments

×