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Federer vs. Dolgopolov: Die Analyse

Blendender Aufschlag verbirgt Rogers Schattenseiten

Roger Federer hat sich durchgespielt und steht am Australian Open in der dritten Runde.

Das Match gegen Alexandr Dolgopolov, mit dem Federer in Dubai trainierte, hätte zum Stolperstein werden können – heikel wurde es für den Maestro aber nur ansatzweise im zweiten Satz. SPORTAL mit der Analyse zum glatten 6:3, 7:5, 6:1.

Das macht uns Mut

Der Aufschlag: 25 Asse in etwas über anderthalb Stunden Spielzeit – Federer traf alle vier Felder, wie er wollte. Der Schlüssel, dass Dolgopolov den Service nicht lesen konnte, lag in der Variation. Der Slice-Aufschlag gegen aussen von der Einstands-Seite war aber mit Abstand am effektivsten.

Die Beinarbeit: Dolgopolov war äusserst bemüht, Federer wenn immer möglich anzugreifen – auch nach zweitem Aufschlag des Schweizers, der sich aber der Herausforderung stellte und vor allem zu Beginn des Spiels meistens eine passende Antwort fand. Die Umstellung von der Night- auf die Day-Session und den damit verbundenen schnelleren Bedingungen gelang Federer somit nach Wunsch. Den weiteren Verlauf des Turniers dürfte die Ansetzung seiner Partien also kaum beeinflussen.

Das bereitet uns Sorgen

Der Return: So gut seine Aufschlagsleistung war, so unterdurchschnittlich präsentierte sich Federer beim Return. Im zweiten Satz hätte er Dolgopolov bereits in dessen erstem Servicegame den Wind aus den Segeln nehmen können, verpasste es aber, die zwei Breakchancen zu nutzen. Der Ukrainer ging bei zweitem Aufschlag zwar viele Risiken ein (7 Doppelfehler) etwas mehr hätte von Federer aber dennoch kommen müssen.

Das Vernachlässigen der Rückhand: Die Rückhand war in der Startrunde gegen Nikoloz Basilashvili einer der Pluspunkte in Federers Spiel gewesen. Umso mehr erstaunte es, dass der Maestro diesen Schlag so oft wie möglich zu umgehen versuchte, um mit der Vorhand Druck auszuüben. Vor allem beim Return roch Dolgopolov den Braten zu oft und konnte danach zum Winner ansetzen – oder aber Federer schenkte ihm den Punkt, indem er den Ball ins Aus schlug.

Die Statistiken

Das Punkteverhältnis spricht mit 100:69 eine deutliche Sprache zugunsten Federers, der den grossen Unterschied vor allem im dritten Satz machte. Während Dolgopolov keine einzige Breakchance erhielt, waren es beim Schweizer gleich 13, wobei die hohe Zahl verrät, dass er nicht ganz so viele davon nutzen konnte. Hier gilt es den Hebel anzusetzen, ansonsten gibt es wahrlich nichts zu meckern.

Das sagte Federer…

… über das Spiel: “Ich bin sehr glücklich. Die Bedingungen waren sehr schnell, fast doppelt so schnell wie in der Nacht. Die Bälle fliegen durch die Luft, man findet keinen Rhythmus. Aber zum Glück servierte ich gut, denn Alexandr machte ebenfalls ein gutes Match. Der zweite Satz war ganz sicher entscheidend.

… über den starken Aufschlag: “Alexandr ist normalerweise einer der besseren Returnspieler, vor allem beim zweiten Aufschlag. Deshalb war es wichtig, viele erste im Feld zu haben. Dass es so gut geklappt hat, hat mich selbst überrascht.

… über das Training mit Dolgopolov in Dubai: “Im Training sieht man die Schwächen des Gegners schon noch ein bisschen mehr. Das war wahrscheinlich eher ein Vorteil für ihn. Deshalb hatte ich auch grossen Respekt vor dieser zweiten Runde. Für mich ist er besser als mancher Gesetzter.

… über die 3. Runde gegen Grigor Dimitrov: “Er hätte im Final von Sydney letzte Woche eigentlich gewinnen sollen, er hatte Matchball und verlor gegen Troicki in extremis. Er ist sicher nicht schlecht drauf. Ich habe in Brisbane gegen ihn gespielt und musste über drei Sätze. Ich weiss, er kann gut spielen, er hat aber auch ab und zu noch ein paar Probleme, etwa beim Aufschlag, bei der Backhand oder auch bei der Vorhand, die ihm noch hin und wieder ‚verreist‘. Ich muss sicher schauen, dass ich ihn so viel wie möglich beschäftige – mit verschiedenen Bällen.“

So geht's weiter

In der dritten Runde wartet der nächste harte Brocken: Grigor Dimitrov hat gegen den argentinischen Qualifikanten Marco Trungelliti gewonnen.

Der Bulgare forderte Federer neben dem vom Baselbieter angesprochenen Duell in Brisbane vor zwei Wochen noch drei weitere Male, gewann dabei allerdings keinen Satz. Dennoch ist Vorsicht geboten: Dimitrov gehört zu der Sorte von Spielern, die an einem guten Tag über sich hinauswachsen können – die technischen Anlagen dazu hat er.

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